Glossen

Bilanz einer Torheit

Samstag, Dezember 31st, 2011

Europa, die zweite. Aller Wahrscheinlich genauso überflüssig wie in dieser Rubrik schon einmal geschehen. Setzen wir trotzdem bei einem Punkt noch einmal an: Europa, woher kommst du? Wohin gehst du?
Well, die Briten haben die quo-vadis- Frage beantwortet. Ein Auge auf den Balkan gerichtet vielleicht? Jedenfalls mit dem Auge des Polyphem auf ihren Finanzgangsterstandort London.
Kaum  mehr Sinn macht es, auf den Mythos von Europa und dem Stier hinzuweisen. Zudem könnte es der Verunglimpfung Verstorbener nahe kommen, Konrad Adenauer mit einem Stier zu vergleichen, auch wenn es irgendwann mal nicht strafbar war, Zeus, den Göttervater, in diese Rolle schlüpfen zu lassen. Vielleicht tut´s der Struwwelpeter auch.
Historisch:
Wo begann es? Wie begann es?
In den Urwäldern auf den Findlingen der letzten Eiszeit, als im Orient bereits mehrtausendjährige Hochkulturen gekommen und gegangen waren? In der Gemeinschaft von Auerochsen und Platzirschen? Letzeres ist nicht ganz von der Hand zu weisen und noch heute zu beobachten.
Das Meiste jedoch liegt im Dunkel der Geschichte.
Bei Tacitus erfahren wir einiges an sowohl als auch über die Germanen. Bei Cäsar über die Gallier.
Das Europa der Neuzeit begann angeblich mit Karl dem Großen, den die Franzosen unter dem Pseudonym Charles Magne für sich beanspruchen. Ein ungeschlachter Geselle, des Lesens und Schreibens unkundig wie alle Barbaren des Nordens. Dafür ein Meister der Kriegskunst und Unterwerfung anderer Völker.
Geographisch:
Wo beginnt es? Wo endet es?
Am Bosporus? In Aquitanien? In Italien? In Spanien? In Gallien? In Germanien, Britannien? Am Nordkap? Am Ural? Außer willkürlich gezogenen Grenzen ist da nichts zu holen. Unterschiedlichste Völkerschaften, selbst wenn man es nur oberflächlich betrachtet.
Gut, die ersten Nationalstaaten gab es mit Frankreich und England. Spanien war viel zu lange maurisch, als dass man es ernsthaft als ureuopäisch bezeichnen könnte. Die slawischen Völkerschaften erscheinen mit der Völkerwanderung eher als zugezogen.
Vergleichen wir es, um etwas Luft zu holen, zwischendurch getrost mal mit der berühmtesten Kinderbühne der Welt, dem Kasperltheater: Da ist Kaspar, Gretl und der so gemütlich bayrische anmutende Seppl. Die Realbühne präsentierte uns als einen der Hauptdarsteller De Gaspari, nennen wir ihn also gleich Kaspar. Bleiben Adenauer und De Gaulle. Einem der beiden die weibliche Hauptrolle zuzordnen, erübrigt sich, weil wir mittlerweile auch eine Real-Frau haben, die zunehmend die Über-Haupt-Rolle spielt. Sie ist auch bekannt als die lispelnde Gänseliesl aus der Uckermark, würdige Enkelin des alten Ganoven vom Rhein. Der Birnenförmige dazwischen hatte nichts anderes zu tun als seine Zwitterrolle mit Krieg oder Frieden zu rechtfertgen, ein ausgesprochen doofer Witz, der besser die Situation nicht kennzeichnen könnte. Ein Krieg zwischen den beiden Erbfeinden etwa? Versailles, Dolchstoß und so??
Einer der hartnäckigsten Ein- und Aufpeitscher aber ist ein arroganter Hanseat und Sozialdemokrat. Er sollte endlich die Schnauze halten und seine Zigaretten an der Alster verblasen statt in Fernsehstudios, in denen sich jeder an die Gepflogenheiten hält, auch wenn er Raucher ist. Jeder anständige Mensch in diesem Alter macht sich mit dem Herrgott vertraut.
Was bleibt? Es wird eng. Probieren wir´s auf gut Glück und zum Ende etymologisch. Hat schon oft geholfen.
„Europa“ kommt aus dem Griechischen und es beginnt für unsere Betrachtung richtiggehend verheißungsvoll.
Eυ, ευ, Vorsilbe, gesprochen Ev, ev, siehe Evangelium (griech: ευαγγέλιον), die „gute Botschaft“, bedeutet „gut“.
ρωπηια (Subst.), gesprochen Roopäia, bedeutet „Gesträuch“. Nicht schlecht, falls aus dem Gesträuch nicht gerade Bitteräpfel sprießen.
Aber da haben wir es bereits schon wieder. Die Tücke des Wortes. Die Wahrheit bzw. Wirklichkeit folgt auf dem Fuße:
Wortstamm ist nämlich ρωπ- (gesprochen: roop) und findet direkten Niederschlag in ρωπος (adj.) mit der Bedeutung „kümmerlich“ und ebendieses (subst.) mit der Bedeutung „Flitterstaat, Tand“. Wobei wir „Flitterstaat“ als Bezeichnung eines politschen Staatswesens ausschalten und der zweiten Bedeutung gleichsetzen können.
Das heißt nicht, dass wir es auch beim Gegenstand unserer Betrachtung nicht mit „Tand“ tun haben. Die Einschätzung ist eine individuelle und bleibt somit dem Leser überlassen.
Gegenwartssituation:
Schuld sind die Griechen, die  Italiener, Spanier, Portugiesen, Iren. Auch der in der Psychologie nicht so Bewanderte erkennt sofort das, was soviel Unglück über die Menschheit brachte. Man nennt es das Phänomen der Projektion. Mit anderen Worten: Man zeigt mit allen ausgestreckten Extremitäten, hauptsächlich aber der Zunge, die ein Dolch aus Fleisch ist, auf andere und schreit: Haltet den Dieb!
Das wirkt.
Hauptschuldenproduzent ist nämlich unsere Bundesrepublik bzw. die vom Volk bonae fidei et voluntatis gewählten Volks-Zertreter. 500 Milliarden Neuschulden in kürzester Zeit durch Konjunkturprogramme, um nur die schwerwiegendsten  Bestechungen zu nennen, für die Industrie, zu deren Realisierung man die Papiergelddruckmaschinen rotieren lässt auf Teufel komm raus.
Das wurde bisher geflissentlich übergangen genauso wie die Tatsache, dass wir alle seit der Einführung des Euro bis heute nur noch die Hälfte in unserem Portemonnää haben, wenngleich der Fiskus von der angeblich doppelt so hohen Kaufkraft eine satte Mehrwertsteuer abschöpft.  Man zeigt halt ganz einfach – mit allen Extremitäten – auf andere, und die Tatsachen finden erst in letzter Zeit und ganz marginal Eingang in die öffentlichen Diskussionen. Es wird sich rächen. Leider erst, wenn sich sogar der Teufel mit Grausen abwendet.

Terminologie der Geistentleerung

Mittwoch, November 30th, 2011

Offen und kleinmütig eingestanden: Mittlerweile werde ich von starken Minder-wertigkeitsgefühlen heimgesucht und bereits geplagt, weil ich bestimmte Sondersprachen unserer Gesellschaft nicht mehr checke und auch beim besten Willen nicht checken kann, kurzum kein Checker bin. Ja, im Grunde weiß ich nicht mal, was ein Checker ist. Und das, obwohl mir das Checken des Lateinischen – großes Latinum selbstverständlich – und Altgriechischen, abgesehen von den Knüppeln der lüsternen und dem geistigen Checken abholden Pubertät, die man mir böswillig zwischen die Beine warf, kaum Schwierigkeiten bereitete.
Aber heute bin ich, wie es aussieht, zu wenig upgedated, downgeloaded, nicht mehr reloadbar und gehöre eigentlich längst outgesourced.

Ha, wie gelegen kommt mir da doch, heissa und rein eigenkompensatorisch-wohlwollend, die Sprache der Fußballer nach einem Spiel.
Was heißt Spiel, sollte wohl besser heißen, nach einem respektablen Geschäft.
Noch dazu, wenn dieses Spiel-Geschäft soeben – scheinbar .- gewonnen wurde und die Spieler-Geschäftsleute mit Statements, was auch immer das sein mag, vor die Mikrophone mit daran gebauter Kamera treten.
Gelegen erst mal, weil diese Sprache deutsch ist und daher von jedem Deutschen einschließlich der Migrantendeutschen, ja in erster Linie von diesen, zunächst rein phonetisch verstanden wird. Zweitens, weil sie auch semantisch den Zuhörer nicht über die Maßen fordert. Mit der Syntax ist es da schon etwas schwieriger. Die ist nicht jedermanns Sache, weil sie sehr anspruchsvoll ist und bisweilen sogar den berühmten Kryptiker Rolf Miller in den Schatten stellt.
Wäre doch homerisch gelacht, ließe sich dort nicht etwas finden, das mich in meiner qualvollen Einfalt wieder ein wenig aufrichtet.
Erinnern wir uns jedoch zuerst der Verlautbarung eines gewissen Herrn Walser, des Fischers vom Bodensee: Es gibt etwas, das noch sinnloser ist als Fußball: das Nachdenken über Fußball. Sowie der des österreichischen Salonphilosophen und Kaffehausschriftstellers Franzobel: Fußball ist perfekte Geistentleerung.
Nun,  allzu sehr wollen wir wirklich nicht nachdenken. Aber probieren wir uns doch mal in einer kurzen philologischen Kasuistik um Validisierung genannter Thesen – solange wir nicht wirklich darüber nachdenken.

… haben wir in der Gesamtheit doch ein schönes Spiel gezeigt…

Wie denn, was denn? Wiesen wir nicht soeben nach, dass bei einem Geschäft, nicht mal bei Monopoly, von Spiel nicht die Rede sein kann? Räumt ihr Fußballer durch die Begriffsverbindung „in der Gesamtheit doch“ nicht ein, dass ihr dieses Geschäft verloren habt und nun nur ein Spiel draus machen wollt, ein schönes noch dazu? Ein verlorenes Geschäft ist kein Spiel, ein schönes schon überhaupt nicht.

… konnten wir sie dann doch noch schlagen…

Tut man das? Alle Innenminister der Republik bannen die Gewalt, und ihr schlagt? Ausgerechnet ihr, die sich das  Motto Fairness auf die Fahne geschrieben haben. Außerdem habt ihr dafür euere Auxiliartruppen, die Hooligans. Die schlagen doch ordentlich.

… dass dann, ja, ich glaube… hm, in der 99. Minute vor der Halbzeit, … es gelang, den Ball in die Luft, ähh, ins Tor… ja, zu schießen…

(Kommentar von der Redaktion entfernt)

… wenn nicht der gegnerische Sturm pausenlos…

Wenn das Wörtchen wenn nicht wär´, wär mein Vater Millionär. Aber das seid ihr ja sowieso und schon längst. Außerdem: Wer Wind sät. wird Sturm ernten. Habt nicht ihr angegriffen? Wer angreift, braucht sich nicht zu wundern, wenn ihm ein harter Wind ums Gesicht weht. Pausenlos? Warum sollten die, die genauso fürstlich bezahlt werden wir ihr, nicht auch was tun für ihr Gehalt?

… durch die hervorragende Zusammenarbeit des Einen mit dem Anderen in der Mannschaft konnten wir den schönen Spielerfolg für uns verbuchen…

Schon wieder Spiel, wenn es nachgewieseneremaßen ums Geschäft geht, und zwar einzig und allein!
Wie wäre es ausgegangen, wenn der Andere mit dem Einzelnen zusammengearbeitet hätte? Dass der Eine mit dem aus der anderen Mannschaft zusammenarbeitet, ist zudem genüglich bekannt.
Von wegen Arbeit! Sagt das mal einem Steinbrucharbeiter.
Aber seien wir nachsichtig mit denen, die der Nachsicht nicht würdig sind.
In welchem Spiel spielt der Eine mit dem Anderen zusam-men, außer es geht um ein Betrugsspiel wie Pokern oder Schwarzer Peter? Und um wieviel mehr, wenn es ein Geschäft ist?
Und: Ihr habt dieses Spiel nicht gewonnen, sondern verloren, das könnt ihr tausendmal rumdrehen, damit euere Anhänger euch das glauben, was übrigens keine Kunst ist, weil die alles glauben, selbst wenn es von einem Ochsen kommt. Deshalb gründet ihr auch die Fan- und Hooliganclubs, die euere Stellvertreterkrieg führen mit Rauch- und Stinkbomben.
Besonders gravierend erscheint, jedoch, dass sich mittlerweile Fußballer und Euro-Politiker in dieser Tragikomödie der Geistentleerung gegenseitig befruchten und sogar zu übertreffen versuchen, wobei es sehr schwer fällt, überhaupt  von Geist zu sprechen, denn: wo kein Geist, da auch keine Entleerung. Vielleicht sollten sie es mal auf der Latrine probieren.
Am Ende wird man noch x plus Institute zur Erforschung euerer geistigen Ergüsse gründen müssen, in denen arbeitslose Fußballwissenschaftler ihren unnötigen Senf zu euren Banalitäten verscherbeln. Auch ein Geschäft und kein Spiel im Sandkasten.
Haben wir jetzt doch nachgedacht? Dann wollen wir die Gedanken ganz schnell in Augias´ Stall befördern.
Die endgültige Wahrheitsfindung frei nach Pontius Pilatus überlassen wir dem geschätzten Leser.

Unsäglich

Dienstag, November 1st, 2011

Was war nicht in den letzten Jahren, ach, Jahrzehnten, Jahrhunderten unsäglich und wurde dennoch gesagt?
Synonyme für Unsägliches sind, um nur einige Beispiele zu nennen: Gelaber, Gesabber, Schmarren, Gesülze.
Der verbürgte Ausspruch Catos aus dem Altertum von Karthago, das zerstört werden müsse; die mittelalterliche Volksverhetzung Papst Urbans II.  Deus le volt, womit er den Reigen der Kreuzzüge eröffnete; Hitlers Verbrecherslogan Ab fünfuhrfünfundvierzig wird zurückgeschossen sowie in der neuesten Neuzeit Adenauers Zynismus über seine eigenen Sprüche von gestern, die ihn doch heute nicht mehr interessierten und Ulbrichts Gekrächze von einer Mauer, die nicht gebaut würde, gehören dazu.
Sprüche von Sprüchemachern.
Wenn aber heute einer von denen, die die Stasi-Vergangenheit aufarbeiteten, es unsäglich albern nennt, dass Menschen, die um ihre Ersparnisse, ja sogar ihre Existenz fürchten, gegen die Allmacht der Banken protestieren, dann fragt man sich, was er denn nun aufgearbeitet hat. Die Diktatur des Proletariats aus der sicheren Entfernung des Pastors unter den Fittichen der evangelischen Kirche mit Westkontakten?
Es gab freilich keine Diktatur des Proletariats in der DDR, sondern eine fein versponnene Spinnennetz-Bonzokratie, die die Arbeiter und Demokraten, die zu vertreten sie vorgab, verfolgte und drangsalierte, einsperrte, folterte und nicht wenige davon ums Leben brachte.
Eine andere Form von Bonzokratie mit nicht weniger Filz und Unterdrückungsmechanismen haben wir seit Jakob Fugger dem Reichen und den Medici in der Verwobenheit von Banken und Politik ebenso.
Was sollte so „unsäglich albern“ daran sein, dagegen aufzustehen, wenn er nicht die damit zwangsläufig nötigen und schier durchführbaren  Veränderungen meinte?
Aber: Gelang es denn nicht, unsägliche Machtstrukturen im arabischen Raum aufzubrechen und Diktatoren davonzujagen, die jenseits aller Vorstellungen residierten und ihre Völker quälten?
Auch Lindner, der Ältere in der siechenden FDP sagt Unsägliches: Da kochten doch nur wieder die linken Spinner ihr Süppchen. So wie in Stuttgart, Herr Demagoge, wo man mittels eines C-Rohr-Wasserstrahls einen alten Mann um sein Augenlicht brachte?
Er sollte sich eine hochdruckresistente Brille zulegen, damit er klar sieht, wer da protestiert.
Daher noch einmal; Warum spricht der verhinderte Herr Bundespräsident und Aufarbeiter Unsägliches, wenn es zwar nicht so wie Zitate der oben aufgeührten Herren, aber dennoch unsäglich ist?
Wird man erst wieder die Bomben krachen hören müssen und Polizisten ihr Leben auf´s Spiel setzen lassen wie in den Siebzigern, um zur Vernunft zu kommen?
Falls man das riskiert, so schaue man nach Griechenland. Dort sind keine linken Spinner am Werk, Herr Gauck und Herr Lindner. Dort meinen es ganz normale Leute, viele im fortgeschrittenen Alter, verdammt ernst.
Unsere unsagbar unsäglichen Damen und Herren jedoch tun besser daran, ihre restlichen Schäfchen bis dahin in Sicherheit gebracht zu haben und zu verschwinden.
Denn: Wehe, wenn sie losgelassen, die ewig  Belogenen und Betrogenen. Auch der gutmütigste Hund beißt irgendwann, wenn er immerzu nur geschlagen und getreten wird.
Der Herr Pastor aber sollte sich als erster besinnen und wieder Sorger für die Seelen der ihm anbefohlenen Menschen werden.