Regina flevit (Die Königin hat geweint)

Regina flevit Die eine ist Faustkämpferin, eine Errungenschaft der Emanzipation, und hat sicher schön öfter geweint, wenn sie eins auf die Nase bekam. Die andere ist Filmproduzentin, auch eine Errungenschaft. FrauenproduzentInnen sind einfach besser sind als Männerproduzenten. Sie weinte, weil spätestens ihr neuester Film so arg danebenging. In der Häme von neidischen männlichen Kollegen aber nur, also eigentlich ein Grund für Freudentränen. Der unzähligen Reginen, die ebenfalls schon mal weinten, sei exemplarisch und in tiefer Anteilnahme gedacht. Die meinen wir aber alle nicht. Die nämlich, die wir meinen, ist eine ganz besondere Regina und weint nur hie und da. Und dann auch nur für ganz besonders Begnadete, so daß es ihren Wächtern ganz blümerant wird, weil sie nicht dazugehören dürfen. In Jerusalem gibt es einen Platz, den man Dominus flevit nennt, was bedeutet: Ein Herr weinte. Männer weinen halt auch mal. Es kann aber genauso bedeuten: Der Herr weinte. Der Platz liegt nämlich im Garten Gethsemane. Jetzt kann man den Sinn verstehen, denn jeder Christenmensch weiß, warum ein oder der Herr dort weinte. Unsere Regina jedoch ist nicht aus Fleisch und Blut, kann daher normalerweise auch kaum Tränen oder gar Blut weinen. Tut es aber trotzdem. Regina bedeutet Königin. Derer gab und gibt es noch immer viel zu viele. Hat mit Emanzipation nun aber rein gar nichts mehr zu tun. Es handelt sich auch nicht um die berühmte Regina Theresia von Konnersreuth in der sibirischen Oberpfalz, die Blut weinte und sogar schwitzte ein Leben lang, immer freitags. Die aber niemals eine Transfusion brauchte. O Wunder, o Mirakel! rief der Pilger von Lourdes, in dessen gesegneter Wasserflasche ein Zöllner feinsten Cognac fand. Unsere Regina steht in Heroldsbach auf einem Podest und ist eine Himmelskönigin, derer es angeblich nur eine einzige gibt, sieht man einmal von ihren Vorgängerinnen Astarte, Isis, Venus, der Schönheitskönigin von Schneizlreuth und vielen anderen ab. Sie müßte also eigentlich Regina Coeli von Heroldsbach heißen, wissenschaftlich Regina Coeli Heroldsbachensis. Heroldsbach kennt man, wie man Gethsemane kennt. Heroldsbach ist aber vor allem näher als Gethsemane. Regina Coeli Heroldsbachensis kann sich eines eigenen Hofstaates berühmen. Das sind in erster Linie ihre sündlosen Leibdienerinnen, die Hutzel- und Kräuterweiblein. Auch stämmige Marktfrauen gehören dazu, bei denen nicht gut Kirschenklauen ist. Männlicherseits scharen sich Hofschranzen um sie: Reuige Steuereintreiber, die die gespendeten Finanzen verwalten und mehren. Herren in schwarzen Röcken mit Brevier, die um sie herum lustwandeln. Wissenschaftler, die eifrig suchen. Wonach? Nach Tränensalz natürlich. Und noch lange nicht zuletzt einige um ihr Seelenheil besorgte Bojaren, deren Erstgeborene sich am Ende doch nicht so recht zum Priester eigneten, und die deshalb gegen Naturalien weiteren Nachwuchs von der Königin erbitten. Nicht O Wunder oder Mirakel, sondern Was Wunder unserer Zeit, daß die Tränen der Königin angezweifelt werden, sobald sie fließen, eine ungeheuerliche Blasphemie. So behaupteten unter anderem unkeusche, jungfrauenfeindliche Dorfburschen, die Marktweiber opferten ihrer Königin hin und wieder pfundweise frische Zwiebeln. Ein Zeitungsreporter kolportierte, vom Pfarrhof führe eine unterirdische Wasserleitung auf direktem Weg ins königliche Haupt voll Blut und Wunden. Schließlich hieß es, der Mesner habe den bösen Buben des Tierarztes geschnappt. Als Ministrant verkleidet, obwohl die Fasenacht längst vorüber war. Er führte eine waffenscheinpflichtige Spritze bei sich, die aufgrund ihres immensen Druckaufkommens alten, siechen Ochsen einen halben Liter Penicillin auf einen Streich einzuschießen in der Lage sei. Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr, als Sachverständiger hinzugezogen, erklärte, das entspreche der Kraft eines C-Strahlrohres. Das Injektionsungetüm könne bei fachmännischer Ausnützung der Ballistik gut 30 Meter weit spritzen. Regina Theresia von Konnersreuth wurde einst von einem aufgeweckten Buben, einem späteren Professor, gefragt, was es denn mit ihrem Blut so auf sich habe. Sie belohnte ihn mit einem Backenstreich und schmeichelte: Saubua, ausg´schamter! Dazu ließ sich Regina Coeli Heroldsbachensis unseres Wissens bisher nicht herab. Die Untere Himmelsschutzbehörde gab sich vorläufig bedeckt. Der Vorgang werde geprüft. Hieße sie nun aber, wie sie selbst einmal flüsterte, Regina Rosarum Heroldsbachensis, die Rosenkönigin, so wäre das lediglich ein Fall für Floristen. Deshalb, geplagte Himmelsschützer und vielverkannte Gärtner, flugs an den Verhandlungstisch!

Isola bella

Isola bella Die Inseln verschwinden las der für die Insel gereifte Herr Sonnenschein aus Chemnitz, früher Karl-Marx-Stadt, sozialistisch-mundartlich GoMoSto, bei SPIEGEL-Online. Er griff nervös nach den Southern-Walking-Spießen und fragte rein rhetorisch: „Nu sowas, wo soll isch dann sassernwookn, hää?“ „Klicken Sie weiter, Herr Sonnenschein. Nach W und Westerland.“ befahl die virtuelle Stimme aus den Lautsprechern links und rechts des 200 Zoll großen Bildschirms tonlos. „Westoland? Zu den Nockisch´n? Isch will meene Ruhe beim Sassernwookn!“ „Schweigen Sie, Herr Sonnenschein!“ gebot die Stimme barsch. „Machen Sie sich reisefertig.“ Herr Sonnenschein las weiter, sich jetzt redlich um schriftgetreue Aussprache bemühend: „Westerland, alter Name für Zit-ta del-la ter-ra o-vest.“ Gute Idee, dachte Herr Sonnenschein und bestieg aufgeregt die seetüchtige Jolle, die vor dem Haus ankerte. Nach den vereisten Ländern wie Italien, Spanien oder Griechenland zog es ihn schon lange nicht mehr, denn Nordic-Walking war giga-out. Das bordeigene GPS korrigierte sanft den Kurs, mal drei ° back-bord, dann fünf ° steuerbord. Über Frankfurt am Main gab es ausnahmsweise einen leichten Ruck, und das Gerät zeigte 90° steuerbord an. Aus der zunehmenden Geschwindigkeit der Jolle folgerte Herr Sonnenschein, daß es von da an rasch meerabwärts ging. GPS beruhigte ihn: “Wir befinden uns jetzt im Bereich der Strömung des unterseeischen Flusses Rhein, lateinisch Flumen Rhenus.“ Herr Sonnenschein döste. „Rechter Hand sehen Sie Türme und Dach des Kirchenschiffes der gotischen Kathedrale in der ehemaligen Stadt Köln“. Sieht aus wie der Kirchturm des Dorfes Graun im Reschensee, Südtirol, erinnerte sich Herr Sonnenschein und dachte wehmütig an Törggelen, Rotwein Marke Silberstückl und Birnenschnaps. Am Lido von Cittá della terra ovest waren die Teufel los beim Sassernwookn. Auf der Stelle wooknd standen sie vor den Cafés und begehrten Einlaß. „Wirre brauken noch ville mehre Schireme di Sole, Scheffe!“ -„Tschelato, Eise von Vanilla unde Schokolada, prägo sehrre, Sinjorina.“ – „Due Kaputschinos für Sinjora e Sinjore dorte drübene!“ – „Opp, avanti, los, faule Stronzo von eine Gellnere!“ So gerieten sich germanoide Italianosse als Kellner, Gäste und Chefs in die Haare. Vespas knatterten durch die Straßen, und im Ersten Cinemá della Cittá lief seit Jahren der Kult-Streifen Man sssprikt Italia. Aus hunderten von Café-Lautsprechern überschlugen sich die Dauerbrenner Wenn bei Borkum die rote Sonne im Meer versinkt und O sole Sylte. „Aah, gion porno, Sinjore Luce di Sole!“ begrüßte der geölte Recepziere im Hotel Herrn Sonnenschein dienstfertig und ließ das Gepäck aufs Zimmer bringen. Herr Sonnenschein verlor keine Zeit, kaufte den Southern-Walking-Pass und wookte sassern über die weißen Strände. Nach drei Stunden ließ er sich durchgewookt, aber rundum glücklich vor einem Eiscafé nieder und grunzte ooahh auf sächsisch. „Icke empfehle: Tschelato von Ssspitzebergen, pardongschio, Eisebergessspitze, Sinjore, Speschialitá della Casa.“ munterte der Kellner ihn auf. Ein beleibter Signore, respektlos Pate genannt, obwohl er der Bürgermeister von Terra ovest war, lief schweißgebadet die Promenade auf und ab und klagte jedem Southern-Walker, daß am Nachmittag vier Zugladungen mit Italienern, Spaniern, Griechen und Nordafrikanern aus ihren verschneiten Heimatländern ankämen, und er fürchte, der Eisenbahndamm würde das nicht mehr lange mitmachen. Man müsse einen Krisenstab bilden. Nachdem Herr Sonnenschein die Eisbergspitze genossen hatte, wurde er schläfrig. Da drängelte sich penetrant ein fremdländisch klingendes Lied in die einschmeichelnde Melodie des Dekadensommerhits Isola bella, und der benommene Herr Sonnenschein identifizierte schließlich I bin rääf, rääf, rääf – rääf für die Iinsl. Insel? Herr Sonnenschein überlegte fieberhaft. Endlich fiel es ihm ein. Der Bericht in SPIEGEL-Online! Die Inseln verschwinden… So war dort vermeldet worden. „Nu, do gann doch woss nich stimm´… Do Göllner Dom under Wasser… alles under Wasser… bloß de Inseln nich? Nää, do gann woss nich stimm´…“ … rääf, rääf, rääf, rääf für die Iinsl… „Isch ooch! Bin isch meschugge?“ Er beschloß zu erwachen. Da kehrte sich seine ursprüngliche Art zuoberst, und er schrie ungeduldig: „Unodue formaddschio, pardongschio, Tschelado, von Eisbergspitze, prägo, dalli!“ Er lag schwitzend auf der höchsten Spitze des vom Eise befreiten Großglockners im Liegestuhl, und alles Getier der Welt, von jedem ein Pärchen, alle in Gummistiefeln, hatte sich um ihn versammelt. Da wurde Herr Sonnenschein ganz sanftmütig. „Gönn´ wa do Mutto Erde de wohlverdienten Wechseljahre. Kommt zwar ´n bischn friehe für des jugendlische Ollder von 13,7 Milliarden Jahren… aber… wenn se sonst geene Schwierigkeiten macht… nu, un überhaupt, von der Sache her, da ham se so ne Wissenschaftler, wo nischt wissen… warum froochn se nich einfach mal ´n Frauenoorzt?“ Es war der Silvestertag des Jahres 2114. Von Süd wehte ein trockener, lauer Wind und trug eine Taube heran, die einen Ölbaumzweig im Schnabel hielt.

Nahkampf

Nürnberger Nachrichten NN/HA/FEUI/FEUI1 – Mi 07.12.2005 – KULTUR REGIONAL»Lassen wir uns nicht erschüttern« Nürnberger Heimatgefühl: Willi Weglehner liest aus seinem Roman »Nahkampf« Der in Thalmässing lebende Autor Willi Weglehner stellt heute (19 Uhr) in der Nürnberger Löhe-Buchhandlung (Burgstraße 7) bei einer Lesung sein Buch »Nahkampf« vor. Es ist die Geschichte der Familie Ellwanger, die auf Berichten von Zeitzeugen beruht. Im Frühjahr 1933 kommentierte das »Nürnberg-Fürther Israelitische Gemeindeblatt« die ersten Maßnahmen der neuen NS-Regierung zur Diskriminierung der Juden mit den Worten: »Lassen wir uns durch keine widrigen Erfahrungen des Alltags entmutigen oder verbittern und unser Heimatgefühl nicht erschüttern.« Von einer solchen unerschütterlichen Liebe zur Heimatstadt Nürnberg, welche sogar die folgenden Jahre der systematischen Ausgrenzung, Beraubung, Vertreibung und Vernichtung überdauern konnte, erzählt der neue Roman von Willi Weglehner. Alfred Ellwanger, der zur Zeit der so genannten Machtergreifung gerade neun Jahre alt ist, unterscheidet sich auf den ersten Blick durch nichts von seinen Altersgenossen im Arbeiterviertel St. Johannis. Fasziniert von den üblichen martialischen Bubenspielen, möchte er anfangs durchaus auch bei der Hitlerjugend mitmarschieren. Dass seine vorurteilsfreie Begeisterungsfähigkeit in einer von politischen Leidenschaften beherrschten Erwachsenenwelt auf vielerlei unerwartete Widerstände trifft, erstaunt ihn nicht lange. Die zunehmende existenzielle Bedrohung seiner Familie lässt das Kind erstaunlich schnell reifen. Erlebnisse wie die alltäglichen Auswirkungen der Nürnberger Rassengesetze von 1935 oder die Pogromnacht von 1938 sind dennoch nur zu verkraften, weil nach wie vor auf ein paar Freunde Verlass ist. Halt bietet außerdem das neu belebte Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der jüdischen Gemeinschaft. Historische Dimension Willi Weglehner erzählt Alfreds Entwicklung in einem halb dokumentarischen Stil, der aber nichts Kühles oder Distanziertes hat. Dem Autor gelingt es vielmehr, die historische Dimension des geschilderten »Einzelschicksals« erkennbar zu machen.Alfred Ellwanger, seine Eltern und Großeltern sind ganz durchschnittliche Menschen mit allerlei Stärken und Schwächen, aber gerade deshalb verkörpern sie glaubwürdig die grundsätzliche Möglichkeit einer allgemein sittlichen Haltung auch in einer von Hass und Verblendung regierten Welt. Die von einer einfachen, ursprünglichen Moralität bestimmte Lebenshaltung verhindert im Fall der Ellwangers die Verbitterung, zu der ihnen zwölf Jahre »Drittes Reich« einigen Anlass geboten hätten. Alfred, dem 1939 quasi in letzter Minute die Flucht nach Palästina gelungen ist, wird dort ständig von Heimweh gequält, bis er 1945 als Angehöriger der »Jewish Brigade« in englischer Uniform zurückkehren kann. Zu keiner Stunde fühlt er sich als Sieger oder gar als Rächer. Zusammen mit seinem Vater geht er sofort an den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde in »seinem« Nürnberg. Dieser Aspekt und manches andere in Willi Weglehners Doku-Roman mag aus heutiger Sicht schier unglaublich wirken. Dennoch hat sich der Verfasser in allen relevanten Teilen streng an die historischen Fakten gehalten. Das bestätigt ihm in einem Nachwort der 1923 geborene derzeitige Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg und SPD-Stadtrat Arno Hamburger. BERND ZACHOW (i) Willi Weglehner: Nahkampf. Roman. Mabase Verlag, Nürnberg. 294 Seiten, 19,80 Euro.

Der Viehhändler

Nürnberger Nachrichten NN/HA/FEUI/FEUI2 – Mi 08.06.2005 – KULTUR REGIONAL Die Gier nach Anerkennung Willi Weglehner stellt seinen Roman »Der Viehhändler« vor Der aus Thalmässing stammende Autor Willi Weglehner präsentiert seinen neuen Roman »Der Viehhändler« am 16. Juni, 10 Uhr, in der Löhe Buchhandlung in Nürnberg (Burgstr. 7) Vor der so genannten »Machtergreifung« kam die Mehrheit der bekennenden Nazi-Anhänger aus dem Kreis der sozial deklassierten und weltanschaulich entwurzelten Kleinbürger in den Städten. Unter der von traditionellen Wertvorstellungen geprägten Landbevölkerung stießen die Propagandisten der Hitler-Partei zunächst auf taube Ohren. Von einer solchen tragischen Konfrontation herkömmlicher ländlicher Strukturen mit der erstarkenden NS-Bewegung erzählt der neue Roman von Willi Weglehner. Es sind die Jahre der Weltwirtschaftskrise. In einer süddeutschen Kreisstadt formieren sich braun kostümierte Handwerker und kleine Beamte, die ihre Umgebung davon überzeugen wollen, dass alle wirtschaftliche Not auf die boshaften Machenschaften von Marxisten und Juden zurückzuführen ist. Zu dieser Truppe stößt eines Tages der wegen seiner Brutalität allseits gefürchtete Viehhändler Schorsch Haselmann, der kurze Zeit später sogar »Ortsgruppenleiter« der Nazi-Partei wird. Er wäre fast unangreifbar, hätte er nicht einen schwachen Punkt, der seinen Gegnern nicht verborgen bleibt: Der Viehhändler ist förmlich vernarrt in einen Pracht-Stier, der auf Ausstellungen seinem Besitzer jenes gesellschaftliche Ansehen verschafft, nach dem dieser vor allem giert. Obwohl Willi Weglehner in keiner Zeile einen Zweifel an seinen weltanschaulichen Sympathien und Antipathien zulässt, gibt es in seinem Buch nicht einfach die Bösen und die Guten. Vielmehr sind nicht nur der »Ortsgruppenleiter«, sondern auch die Widerständler als Menschen mit allerlei Fehlern und Schwächen dargestellt. Doch wo der eine nur seinen persönlichen Vorteil sucht, folgen die anderen letztlich den übergeordneten Geboten der Mitmenschlichkeit. Za (i) Willi Weglehner: Der Viehhändler, Mabase-Verlag, Nürnberg, 235 Seiten, 19,80 Euro.

Christkindlmarkt, Schelmenroman

CHRISTKINDLMARKT eine Schelmengeschichte, ca 313 S. Synopsis Frederick ist der klassische Meisterdieb alter Schule. Zusammen mit seinem Freund Nasomir, einem Straßenmusikanten aus dem Banat, macht er sich auf zum „bekanntesten und schönsten Christkindlmarkt der Welt“ und gerät dort unbeabsichtigt an heiße Ware: Er stiehlt einem Unbekannten einen Behälter mit einer Plutoniumprobe, die, wie sich im weiteren Verlauf herausstellt, eigentlich für den BND bestimmt war mit dem Versuch, eine hohe Geldsumme vom Staat zu erpressen. Doch auch eine andere Gruppe der organisierten Kriminalität, die eigentlich in einem spektakulären Heroin-Deal unterwegs ist, bekommt Wind von der Sache, will dieses Geschäft nebenbei mitnehmen, und der arme Meisterdieb wird zum Gejagten. In seiner Not wendet er sich endlich an einen Kriminaler, den er einmal bestohlen hatte, und der unaufhaltsame Behördenapparat beginnt scheinbar anzulaufen. An höchster Stelle ist man jedoch längst informiert: Der Diebstahl wurde, und jede weitere Entwicklung wird observiert. Die beiden Erpresser sind ein ehemaliger Mitarbeiter des BND auf unterster Ebene, und der Sohn eines ehemaligen Stasi-Offiziers, dem es gelungen war, ein halbes Kilo Plutonium an sich zu bringen. Die beiden lernten sich zufällig kennen und beschlossen in ihrer Einfalt, das Ding gemeinsam zu drehen. Seit der PlutoniumAffäre sind die Behörden jedoch äußerst sensibilisiert auf derartige Dinge, daß sie die Angelegenheit mit höchster Sorgfalt bearbeiten, um eventuell doch bestehende Hintergründe in den Griff bekommen zu können. Als Frederick bei der Polizei auspackt, erscheint dort ein hoher Beamter des BND, und es stellt sich zur Überraschung aller heraus, daß der Fredericks ehemaliger Lehrmeister ist. Frederick und Nasomir sind zu Geheimnisträgern geworden, und man weiß nach Abschluß der Ermittlungen zunächst nicht, was man mit ihnen machen soll. Schließlich ernennt man Frederick zum Ministerialrat im Diplomatischen Dienst, und Nasomir wird Konzertmeister bei den Berliner Philharmonikern. Frederick genießt das unbeschwerte Leben als hoher Beamter, schreibt seine Lebensgeschichte auf und verordnet sich viele Reisen. Während einer dieser Reisen wird ihm, dem ehemaligen Meisterdieb, seine Aktentasche mit den Aufzeichnungen gestohlen und erscheint nicht viel später in Auszügen in einer Boulevardzeitung. Damit ist seine Beamtenkarriere beendet, er ergibt sich in sein Schicksal und macht sich im nächsten Advent wieder auf zum Christkindlmarkt. Dort trifft er auf den alten Nasomir, der ihm einen guten Rat gibt: Er solle gleich hinuntergehen zum Markt und dort vielleicht einen Filmproduzenten bestehlen. Frederick lacht, geht und will einem Mann die Tasche abnehmen. Doch der schnappt ihn. Es stellt sich heraus, daß dieser ein Filmproduzent ist, der an Fredericks GaunerLebensgeschichte großes Interesse zeigt. Frederick will diese Neuigkeit sofort dem alten Freund mitteilen, eilt zurück, und man sagt ihm nun, der alte Nasomir sei doch bereits vor einem Vierteljahr gestorben. Ob er das nicht wisse… Leseprobe, Schelmenroman, „Christkindlmarkt“ Nasomir war eingefallen, daß es möglicherweise wirtschaftlicher sei, nicht immer mit übergeschlagenen Beinen zu spielen, weil dies von der Kundschaft als Faulheit auf ihre Kosten ausgelegt werden könnte. So konzertierte er gerade mal eine Viertelstunde in dieser Position und mußte feststellen, daß sich Versuche lohnen können oder nicht, wollte sich also wieder hinsetzen, als sein empfindliches Gehör unangenehm durch lautes Hundegebell angerührt wurde, das vom Hauptmarkt heraufscholl und sich zu seinem Widerwillen verstärkte. Zuerst sah er die markanten Farbtupfer zweier Grün- und Orangeköpfe, die ihren Hunden nachstoben, sodann einen Menschen, der offensichtlich von den Kötern verfolgt wurde. Als die Gruppe nur noch zehn Meter von ihm entfernt war, erkannte er schlagartig den Gejagten, und die Haare stellten sich ihm zu Berge. Frreddy, Frreddy, hierherr, komm, schnell, hierrherr! Aus gemäßigten Blue Spanish Eyes verfiel er in ein Allegretto furioso, bestehend aus nur zwei Tönen, die der nun schlagende und hüpfende Geigenbogen im Nonenabstand aus den Saiten säbelte und damit einen fürchterlichen Mißklang erzeugte, gegen den sämtliche Martinshörner der Stadt zusammen wie eine Weise aus dem Paradies schmeichelten, so daß die Hunde ihre Läufe mit einem Male entgegen der Laufrichtung spreizten, sich hinduckten, die Schwänze einzogen, eine knappe Minute lang in den grauen Himmel heulten und dann winselnd hinter den benagelten Flatterkaftanen der Gefärbten Schutz suchten. Die, von metallischen Wohlklängen der Postmoderne verwöhnt, hielten sich die Ohren zu und wandten sich ab mit Grausen. Frederick schwitzte und schnaufte und lehnte sich an die Brüstung der Museumsbrücke. Ich… ich… danke… dir, Naso… mir, mein… Lebens… retter. Nach und nach kam er zur Ruhe und berichtete schließlich, die farbigen Schnorrer hätten ihn einen eitlen bürgerlichen Scheißer gehöhnt und beschuldigt, sie bestohlen zu haben und ihre vollgefressenen Hundsfötte auf ihn gehetzt. Ich mag nicht mehr, Nasomir. Die und die Giftler wollen uns jetzt auch noch an den Kragen. Warum erlernte ich so viele Berufe? Die wollen überhaupt nichts lernen und hochqualifizierten Leuten wie mir das Leben schwer machen, es ist allerhand. Und von überallher muß ich diese verdammte Schnulze „Weihnachtsmarkt am alten Dom“, immer nur „Weihnachtsmarkt am alten Dom“ anhören. Du hast es leicht, du kannst selbst bestimmen, was du spielst. Es kotzt mich an. Nein, nein, Ende! Ich werde jetzt noch die Unterlagen des Staatssekretärs an die BILD-Zeitung verkaufen, und vielleicht ist zu Silvester beim Bleigießen noch ein wenig zu verdienen. Dann will ich um Arbeitsunfähigkeitsrente eingeben. Schluß. Aus. Basta. Nasomir setzte sich auf seinen Klappstuhl und verharrte einige Minuten in Schweigen. Dann sah er Frederick fest an. Wirr haben geschlossen bilaterrales Abkommen, Herrr Frredderrick, und Sie kennen nicht kindigen alleine es. Unterrlagen sind letzte Rreserrve. Dann wurde er wieder sanftmütiger, erhob sich, legte dem Freund den Arm um die Schultern und berichtete, auch er habe schmerzliche Unbill ertragen müssen, weil der ignorante Kurden-Alfred plötzlich zu spinnen angefangen, ihm die Geige weggenommen und gedroht habe, sie in die Pegnitz zu schmeißen, wenn er nicht augenblicklich seinen Arbeitsplatz in den Tiergarten verlegen würde. Zum Glück sei eine Doppelstreife vorbeigekommen, die ihm geholfen und Alfred zur Räson gebracht habe. Erneut machte er eine lange, besinnliche Pause und sah hinüber zum Heilig-Geist-Spital, als ob er sich von Herzen danach sehnte, dort ab sofort seinen Lebensabend zu verbringen wie einst im Mittelalter die Siechen und Bresthaften. Dann ging einen Ruck durch seinen Körper, und er richtete sich kerzengerade auf. Haltungg und Wirrde, Freddy! Hierr sind wirr, wirr kennen nich anderrs. Also gut, Nasomir, mein Freund. Bei den Vierzehn Nothelfern, hier sind wir, wir können nicht anders. Aber ich brauche eine neue Strategie. Vielleicht ist es übergangsweise angeraten, den Menschen beim Tragen ihrer Weihnachtsgeschenke behilflich zu sein. Am Abend kam er schwerbepackt in die Pension, ging davon und kam nach einer Stunde wieder, nicht minder beladen. Stell´ dir nur vor, ich mußte ein Zwischendepot einrichten in einer Nische an der Frauenkirche… weißt du… sie würden sie sowieso umtauschen nach den Feiertagen, Nasomir. Ich kenne das. Keiner ist mehr zufrieden mit seinen Geschenken. Warum sollen wir uns dann nicht wenigstens darüber freuen, meinst du nicht? Komm, laß uns auspacken, sonst werden wir bis zum Fest nicht fertig damit. Als sie anfingen, die kleinen Kartons, länglich, dicklich, rund, hoch, breit, die Tüten, verschnürt, offen, prall, dünn, die größeren Pakete, in Gold- und Silberpapier oder schlichtem, braunem Packpapier liebevoll zu besehen und die Bescherung noch hinauszögerten, begannen ihre Augen zu leuchten wie in den Tagen der Kindheit, als sie vor den Auslagen der Geschäfte gestanden waren und am Ende, sprich, an Weihnachten, nichts davon bekommen hatten. Plötzlich jauchzte der Alte auf. Er hatte ein kleines Päckchen geöffnet, weil er es nicht mehr erwarten hatte können. Ein Satz Geigensaiten, Frreddy! Schau nurr! Die hat Chrristkind gebrracht extrra fiirr mich. Jetzt hielt auch Frederick nicht mehr an sich, und es rauschten die wunderschönsten Weihnachtsgeschenke in die Öde des Pensionszimmers: Zwei Satz Hundepullover mit Höschen und Gamaschen in hellblau und rosa, ein Osterhase mit dem Begleitschreiben, es werde kein Ostern mehr geben, ein Gummiphallus, ein Lorgnon, ein Sezierbesteck, hartvergoldet und mit Zertifikat aus Solingen, ein Paar wunderschöne gelbe Glasaugen in Neonoptik, ein Teleskopschuhlöffel, eine Pappnase, ein in Schweinsleder gebundenes Buch mit leeren Seiten drin, zwei Tüten Ameisenvertilgungsmittel, ein handgedrehter Hanfstrick mit Schlinge, durchwirkt von einer Goldschleife mit der liebevollkalligraphischen Aufschrift Frohe Weihnacht!, eine Schalmei, eine leere Zigarettenschachtel mit der Nachricht Liebling, Rauchen macht impotent, ein Hunderter mit dem queren Überdruck FALSCH, ein Päckchen Kondome der Marke Sieb, das sich feilpries, jeden Kinderwunsch erfüllen zu können selbst bei langjähriger, hartnäckiger Unfruchtbarkeit, eine Blindenbinde samt Augenklappe mit kaum sichtbaren Sehschlitzen. Hier unterbrach Frederick, der auch gelernt hatte, sich über nichts mehr zu wundern. Die ist für mich, Nasomir, ein sehr praktisches Geschenk. Ich denke, alles andere können wir getrost weiterverschenken. Wie wär´s zum Beispiel mit dem Strick für Kurden-Alfred? Das Ameisenvernichtungsmittel nehme ich für die Köter, die mich heute um ein Drittel meiner täglichen Sauerstoffration brachten. Vielleicht bekommen sie wenigstens einen tüchtigen Keuchhusten davon. Sehen wir, was der morgige Tag bringt. Der nächste Tag aber brachte nichts grundlegend Neues, und von Weihnachtsgeschenken könne man nicht leben, konstatierte Nasomir, dessen neue Geigensaiten sich als billigster Ramsch erwiesen hatten, die Kalinka nicht ein einmal bis zum Da Capo überlebten. Frederick rief daraufhin die vierzehn Nothelfer an und versuchte, an das leibhaftige Christkind heranzukommen, das den Weihnachtsgläubigen zum hundertsten Mal seinen Konsumsegen spendete, doch es war viel zu gut verpackt in Gold und Silber, und der glitzernde Ring an seinem Finger stammte ohne jeden Zweifel aus dem Kaugummiautomaten. So waren beide rechtschaffen froh, als endlich der Freitag des letzten Wochenendes des christkindlichsten aller Christkindlmärkte anbrach, von welchem sie sich einen entscheidenden Konjunkturstoß erhofften um des Festes des Friedens willen. Doch die Besucher wurden aggressiver denn je, stießen sich gegenseitig umeinander, beschütteteten sich mit Glühwein und fluchten unweihnachtlich, die Kinder quengelten und wollten immer mehr, Wünsche, die ihnen die Eltern zwar gerne erfüllt hätten, um ihre Ruhe zu haben, jedoch verweigern mußten, weil die Kohle in den Geldbeuteln langsam zur Neige ging, und sie gerade noch für die Erbtante im Altenheim, der es zuzutrauen war, daß sie ihr Testament änderte, weil sie in bester geistiger Verfassung war, für Oma und Opa aber schon nichts mehr kaufen konnten. Das war auch nicht so wichtig, denn von diesen waren sie wenigstens pflichtteilberechtigt. Mißmutig ging Frederick in ein Kaufhaus, um sich eine weitere neue Hose auszuleihen. Aus dem anfänglichen Ärger über die ständigen Rempeleien dort entstand auf einmal die grundsätzliche Angst um sein Eigentum, denn er wußte, was es bedeutete, angerempelt zu werden. Die Suche nach der Hose wurde somit zu einem grausamen Horrortrip, und er nahm schließlich entnervt irgendeine von einem der Verkaufstische und verzog sich in eine Umkleidekabine. Als er in den Spiegel der Kabine blickte, fiel ihm plötzlich auf, daß er ungewöhnliche Schatten um die Augen trug. Er erschrak. Waren das nur Zeichen des natürlichen Alterungsprozesses oder möglicherweise einer unbewußten Existenzangst? Letzteres würde ihm wesentlich mehr zu schaffen machte, dachte er kurz und griff nach der neuen Hose. Doch er griff ins Leere. Verdutzt sah er auf den kleinen Stuhl, auf dem er beide, die alte und die neue, abgelegt hatte. Sie waren verschwunden. Herrgottsakrament, das darf doch nicht… Doch, es war. So stand er da in der attraktiven Unterwäsche aus der Boutique und war einige Sekunden völlig ratlos. Es hilft alles nichts, jetzt muß ich in die Totaloffensive, dachte er, ging, wie er war, lässig aus der Kabine und zum Verkaufstisch, wühlte und wählte eine andere aus, während die ansonsten nur gelangweilte und hochmütige Verkäuferin glasige Augen bekam, denn er war ein sehr gutaussehender Mann, schwebte an der Dame vorbei wieder in die Kabine und schlüpfte aus der drittnächsten um zu verschwinden. Die Verkäuferin indes wartete eine volle Stunde schmachtend vor der ersten, vor welche sie ihm wie in Trance gefolgt war. Den vierzehn Nothelfern sei Dank hatte er es sich vor langer Zeit bereits angewöhnt, weder Geld noch Papiere geschweige denn ausgeliehene Kreditkarten mit auf seine Geschäftswege zu nehmen. Schön stünde er jetzt da trotz der hinreißenden Männermodedessous. Er blickte daher erneut mit großer Sorge in die Zukunft. Dabei hatte er noch nicht einen Schimmer davon, was sich demnächst ereignen würde.

Franzl – Keiner weiß wohin, Doku-Roman

W. Weglehner FRANZL – KEINER WEISS WOHIN Doku-Roman 289 S. Synopsis Man schreibt das Jahr 1936. Franzl Weiss, ein Sinto-Bub mit deutscher Staatsangeghörigkeit, zieht mit Mutter und Schwestern im Wohnwagen durch das böhmische Land. Sie leben vom Verkauf selbstgewebter Stoffe. Die Mutter hegt insgeheim schon lange den Wunsch nach Seßhaftigkeit. Davon ist jedoch der Vater, der als Musikant seinen Teil zum Lebensunterhalt beiträgt und dadurch die meiste Zeit nicht bei der Familie verbringt, aus berechtigten Gründen nicht sonderlich begeistert. Sie sind auf dem Weg nach Budweis, eine Stadt, wie in der ehemaligen k. und k. – Monarchie Österreich-Ungarn nicht selten, mit gemischter Bevölkerung im Süden Böhmens. Als der Vater, genannt Federn-Bertl erscheint, kommt es zum Streit mit der Mutter, die ihm erklärt, endlich seßhaft werden zu wollen und ihm wieder einmal eine vermutete Affäre mit einer gewissen Jana vorwirft, von der er angeblich einmal im Schlaf gesprochen hat. Daraufhin geht der Vater im Zorn davon. In Budweis ist auch gerade der österreichische Zimmermann Johann Hochleitner auf seiner Suche nach Arbeit angekommen. In einer Herberge hört er zum ersten Mal von einem Nationalsozialisten namens Konrad Henlein, der glaubt, sich zum Sprecher der sudetendeutsche Volksgruppe machen zu können. Weil er mit den Braunen schon im Bayerischen nicht die besten Erfahrungen gemacht hat, beschließt Johann, am nächsten Tag in seine Heimat Tirol zurückzukehren. Im Truppenübungsplatz Allentsteig im Waldviertel könnte er eventuell Arbeit finden, hatte man ihm gesagt. Das will er versuchen. Wenig später trifft er mit der Sinto-Familie zusammen und bewegt sie, mit ihm nach Österreich zu ziehen. Zwischen ihm und Mutter Weiss hat es „gefunkt“. Nach einer unheilkündenden Begegnung mit deutschen SA-Leuten in dem Weiler Strones, dem Geburtsort von Hitlers Großmutter Anna-Maria Schicklgruber, erreichen sie Döllersheim nahe beim Truppenübungsplatz. Dort scheint sich der Traum der Mutter zu erfüllen, denn sie finden eine Wohnung und bekommen beide Arbeit bei der Firma Brettner, die an der Erweiterung des Trup-penübungsplatzes mitwirkt. Franzl besucht die Schule und findet schnell einen Freundeskreis. Bald gehört die Familie zu den Einheimischen. Dennoch kommt Franzl anfangs nicht mit der Seßhaftigkeit zurecht. Hauptsächlich vermißt er den Himmel über den interessanten Neuigkeiten einer sich ständig ändernden Welt, durch die sie bisher zogen. Die Situation ändert sich schlagartig, als der Führer im Jahr 38 seine Heimat „heimholt ins Reich“. Mißtrauen und Argwohn breiten sich aus in der kleinen Gemeinde, denn das Spitzelwesen beginnt zu blühen. Die Feier des 1.Mai wird für Franzl zu einem schreckhaften Erlebnis, weil einer der Nazis ihn als Neger bezeichnet. Ein Großteil der Bevölkerung Döllersheims jedoch dreht sich unbekümmert zum Tanz bis tief in die Nacht. Der Schmied, bekannt für seine locker-lästerliche Zunge, wird von der Gestapo halbtot geschlagen und ins KZ Dachau gebracht. Das reichsdeutsche Rassegesetz von 1935 tritt auch in Österreich in Kraft. Polizeiminister Himmler erläßt das Gesetz zur Bekämpfung der Zigeunerplage. Per Verordnung wird Franzl vom Schulunterricht ausgeschlossen, erhält jedoch weiterhin Privatunterricht von Maria, der Tochter des Oberlehrers Seitner. Unmittelbar mit dem Tod und Schuldgefühlen kommt Franzl das erste Mal in Berührung, als sein bester Freund Steffl Edelmair beim Partisanenspiel am Zaun des Truppenübungsplatzes von einer Tretmine zerrissen wird. Die Familie wird schließlich von der Gestapo registriert. Nachdem die Schule gänzlich geschlossen, auch der Pfarrer verhaftet wird, weil er gegen den von den Nazis inzwischen vom Zaun gebrochenen Krieg predigt, und eine Räumung Döllersheims in unmittelbare Nähe gerückt ist, beschließen die drei, mit einem Teil der Firma nach Paasdorf im Weinviertel umzuziehen. Dort beäugt man den Buben mit mißtrauischem Abstand. Ausgerechnet ein Mädchen, Josefine, Finni genannt, hält zu ihm. Sie werden Freunde, doch eines Tages bewirft man die beiden aus dem Hinterhalt mit Steinen. Finni kommt nicht mehr, und Franzl ist vollkommen im Unklaren, ob sie von ihren Eltern aus nicht mehr darf oder selbst nicht mehr will. Johann läßt sich auf der Arbeit zu einer unbedachten systemkritischen Bemerkung hinreißen. Nicht viel später erscheint mitten in der Nacht die Gestapo, und trotz heftiger Gegenwehr ergeht es ihm nicht anders als dem Schmied von Döllersheim. Kurz danach werden die Mutter und Franzl zur Vernehmung durch die Gestapo befohlen und auf das Übelste beschimpft. Daraufhin beschließen sie, zu Onkel Albert nach Sieghartsles zu fliehen. Alles scheint sich zum Guten zu wenden. Franzl bekommt sogar eine Stelle bei der Bahn. Dort verhaftet man ihn jedoch wie aus heiterem Himmel. Im Gefängnis von Groß-Siegharts ist bereits die ganze Familie versammelt. Dies ist nur ein Zwischenaufenthalt, denn man bringt sie nach Wien ins Polizeigefängnis „Rossauer Lände“. Hier lernt Franzl den jüdischen Oberschüler Simon aus Galizien kennen und hat eine grauenhaftes Erlebnis. Nach einem weiteren kurzen Aufenthalt im Wiener Landgerichtsgefängnis teilt man die ganze Familie einem Sammeltransport in Viehwaggons zu. Ziel: Auschwitz. Nur mit Mühe begreift Franzl, was das am Ende bedeutet. Zunächst aber scheint ihm das Glück wieder hold zu sein. Ein SS-Obersturmführer macht ihn zu seinem Ordonnanzburschen, ein anderes Wort für einen Arbeitssklaven. Immerhin wird er sogar kärglich entlohnt für die Botengänge, so daß er Lebensmittel für die Familie organsieren kann, ist aber gleichzeitig den ständigen Schikanen und Demütigungen durch den Sadisten ausgesetzt. Zudem kann er sich, ausgestattet mit einem Passierschein, relativ frei im Lager bewegen. So trifft er auf einen anderen jüdischen Jungen, der ihm erklärt, was es mit dem Gebäude auf sich hat, das Franzl für eine gigantische Heizungsanlage hält. Daraufhin verändert er sich so, daß der Obersturmführer glaubt, er leide an Typhus oder Fleckfieber und ihn ins Krankenrevier schickt. Auf dem Weg dorthin erlebt er das Unvorstellbare und bricht zusammen. Auf der Krankenstation schreibt man ihn bald arbeitsfähig, denn im KZ Buchenwald werden Arbeitskräfte gebraucht. Franzl wird abkommandiert und erlebt die Vernichtung durch Arbeit. Die nächste Station ist das Lager Mittelbau Dora, wo Häftlinge die angebliche Wunderwaffe zusammenbauen. Der Aufenthalt dort ist jedoch nur von kurzer Dauer, denn dieses Lager wird bald mehrfach von alliierten Luftverbänden bombardiert und daraufhin evakuiert. Damit beginnt der Todesmarsch nach Oranienbaum. Kurz vor Dessau wird die Einheit unter dem Druck der ständigen Beschießung durch Tiefflieger aufgelöst. Die wenigen Übriggebliebenen geraten schließlich in amerikanische Obhut. Man verhört sie, kleidet sie neu ein und schickt sie, ausgestattet mit Proviant für ein paar Tage, wieder fort. Franzl macht sich auf die Suche nach seiner Familie und kommt so am Ende nach Nürnberg. Dort wird er, trotz der eintätowierten Häftlingsnummer auf seinem rechten Unterarm, wieder verhaftet, weil er keine ausreichenden Papiere hat. In Wahrheit jedoch, weil er ein „Zigeuner“ ist. Leseprobe, Doku-Roman, „Franzl – Keiner weiß wohin“ Es folgten Tage, vor allem aber Nächte zermürbender Ungewißheit in der engen, schmutzigen Zelle. Der Uniformierte mit dem Schlüsselbund reichte den Essenskübel herein und holte ihn wieder ab, ohne auf die drängenden, bangen Fragen der Inhaftierten auch nur mit einer Silbe einzugehen. Nicht einmal mit den Schultern zuckte er. Franzl kam er vor wie der stumme Strohmann auf dem Feld, ausgestopft und ohne Gesicht, dem man das Stehen beigebracht hatte. Onkel Albert konnte sich die Verhaftung am wenigsten erklären. Er war mit seiner Familie weitgehend unbehelligt geblieben in diesen schicksalsträchtigen Zeiten, hatte etwas gegolten bei der Bahn und fiel aus allen Wolken, als die Schwägerin ihn nach und nach informierte. Es war folglich nicht überall so, wie es erleben hatten müssen, dachte Franzl. Verfemte Rasse und gleichzeitige Kritik am Nazi-Regiment waren anscheinend die Verbindung, die sich verhängnisvoll auswirkte. Er sollte sich bald täuschen. Es war noch stockdunkel, als er durch knallende Stiefeltritte draußen auf dem Gang geweckt wurde. Sie kamen näher, der Schlüsselbund klapperte wie üblich, und die Tür flog auf. Der grelle Schein einer Taschenlampe blendete in die Zelle hinein. Die Kinder, aus dem Schlaf gerissen, fingen sofort an zu weinen. Raus, alle raus, ein bißchen plötzlich! Mann, stinkt das hier. Das können nur Zigeuner sein. Fünf oder sechs Mann standen da mit schußbereitem Gewehr und trieben sie nun mit Kolbenstößen über den Flur und aus dem Gebäude. Draußen stand ein Lastwagen mit laufendem Motor. Hopp, rauf! Wird´s bald. Du da, Bursche, hilf den kleinen Ratten! Es ging alles so schnell, daß Franzl erst richtig kapierte, als der LKW aus dem Ort hinausrumpelte. Ein empfindlich kühler Wind fuhr unter der Plane durch, so daß die beiden Wachposten, die an der offenen Rückseite saßen, die Mäntelkragen hochschlugen. Die Gefangenen hingegen hatten nichts Warmes auf dem Leib und froren entsetzlich. Sie rückten unwillkürlich zusammen. Hin und wieder nickte Franzl ein und wurde ebenso oft von den Stößen des Fahrzeugs und der Kälte wieder geweckt. Die beiden Frauen hielten zusammen die Kinder umschlungen. Onkel Albert starrte vor sich hin. Woran er wohl dachte? Franzl beugte sich zu ihm hin. Der Krieg ist hergekommen, Onkel. Ob Dachau oder Wien. Er ist hier, bei uns. Sie haben uns den Krieg erklärt… wie dem Edelmaier Steffl… Der Vormittag legte einen Hauch wärmender Frühjahrssonne auf die Plane, so daß es zuammen mit der Körperwärme einigermaßen erträglich wurde. Franzl spitzte ab und zu an den Wächtern vorbei nach draußen. Ihm kam es vor, als fliehe die Straße wie eine rückwärts kriechende Schlange vor ihnen davon. Wie lange sie unterwegs gewesen waren, konnte er nur ungefähr am Stand der wandernden Sonne abschätzen. Eine Vielzahl an Fahrzeugen folgte der Schlange: Automobile, Pferdefuhrwerke, Kutschen, Radfahrer. Gleichzeitig wuchsen beidseitig der Straße, die immer breiter wurde, eng nebeneinander stehende, ungewöhnlich hohe Häuser, eins fast wie das andere, in den blauen Himmel, der sich der länger werdenden Schatten nicht erwehren konnte. Es mußte gegen Feierabend gehen, und bei der ungewohnten Umgebung konnte es sich nur um eine große Stadt handeln. Viel größer als Budweis, Prachatitz, Eger. Sogar noch größer als Prag. Dann mußte es… ja, es mußte Wien sein, die Hauptstadt. Franzls Hals wurde immer länger, und über dem Staunen vergaß er beinahe die anderen Umstände. Ruckelnd wurde er von diesen eingeholt, als der Wagen abbremste und schließlich anhielt. Die Wächter sprangen hinunter. Alles runter! Schnell, schnell! Antreten! Die Weiber und Kinder dort rüber, ihr zwei Rußgockel bleibt hier, hopp! Sie trieben die Kinder, die Mutter und Tante Berta um den Lastwagen herum. Ein letzter, stummer Blick traf Franzl, dann waren sie weg. Er sah an dem Gebäude hoch, vor dem sie standen, bewacht von zwei hinzugekommenen Polizisten in österreichischer Uniform. POLIZEIGEFÄNGNIS ROSSAUER LÄNDE Hopp, rein da! Und keine Mätzchen, verstanden? Sonst schießen wir. Man brachte sie wieder in eine Gemeinschaftszelle, nicht viel größer als die in Groß-Siegharts, aber umso voller und noch dunkler. Schweigende Gestalten kauerten auf dem bloßen Steinfußboden, es mochten 20 sein. Einer rückte etwas zur Seite und erntete dafür ein unwirsches Brummen seines Nachbarn. Er bedeutete Franzl mit einer matten Handbewegung, sich zu setzen. Onkel Albert folgte der Einladung gleichfalls, so daß Unruhe entstand. Sie hockten da wie die Heringe in der Büchse, und jede Störung durch Neuankömmlinge hieß gleichzeitig, ein Stück des mühsam behaupteten Terrains aufzugeben. Franzl wollte die unheimliche Ruhe nicht durcheinander bringen, bedankte sich flüsternd und nannte seinen Namen. Der andere war in seinem Alter. Er heiße Simon. Hier sind nur Juden und Zigeuner. Ich bin Jude. Was bist du? Zigeuner… habt ihr denn was angestellt? Ich meine, weil sie euch einsperren? Haben sie dich nicht auch eingesperrt? Hast du vielleicht was angestellt? Ich hab´ nichts angestellt, außer, daß ich Jude bin. Um genau zu sein: Das haben mein Vater und meine Mutter angestellt… ja, und die Vorfahren halt. In einem anderen Teil sind Schwerverbrecher. Wir hören es hier, wenn sie sie aufhängen, draußen im Hof. Da steht der Galgen. Und die schreien, daß sie nicht sterben wollen. Aber es hilft ihnen nichts. Plopp, macht es, und dann ist Ruhe. So ist das hier. Fast jeden Tag hängen sie einen auf. Franzl wurde es unbehaglich. Doch er ließ sich nichts anmerken. Simon redete davon, als sei es das Alltäglichste auf der Welt. War es auch, wenn es fast jeden Tag passierte. Ich hab´ genau das gleiche angestellt wie du, Simon… Damit war das Gespräch vorerst beendet, denn Franzl überkam mit einem Mal die Angst um die Mutter und die Kinder. Was würden sie mit ihnen anstellen? Um ihn selbst bekümmerte er sich vorerst weniger. Außerdem saß Onkel Albert neben ihm. Wenn sie sie, wie die Juden, nach Osten bringen würden, zu welchem Zweck auch immer – ihm sollte es einerlei sein, solange man sie nur zusammen ließe. Wahrscheinlich gab es eine Frauenabteilung. Es war dumpf in der Zelle. Nicht nur äußerlich dumpf und dunkel. Das Schweigen war ein Teil dieser Dumpfheit. Die stieren Blicke derer, die er erkennen konnte, weil sie am nächsten saßen, waren Ausdruck der Dumpfheit. Was mochten sie denken? Was hatten sie erlebt? Was hatte man ihnen angetan? Simon schien einen Teil seiner Gedanken zu erraten. Sie kommen von überall her. Von Ungarn, aus der Kraina, aus Serbien… ich kann ihre Sprache nicht verstehen. Nur wenn sie leise beten, kann ich was verstehen, weil sie hebräisch beten. Das kann ich ein bisserl. Ich komme aus Galizien. Dort war ich in der Schule, Oberschule. Meinen Vater haben sie gleich erschossen… Die Zigeuner sind meist aus der Slowakei… Franzl traf es wie ein Fausthieb. Slowakei? Dort sei man sicher, hatte er einst geglaubt, weil es die Maria gesagt hatte. Slowakei? Aber… das… dort sind doch die Deutschen gar nicht, Simon… Schon längst. Eine Zeitlang haben sie die Slowakei verschont, aber sie hatten ihre Gesinnungsgenossen dort. Das ist längst vorbei, ja… Vater Johann… er hatte auf ganzer Linie recht gehabt. Keiner konnte auskommen. Die Tür flog auf. Wer möcht´ a bisserl raus? Du da vielleicht, ja, du, der Neue, der Zigeuner, komm, ich zeig´ dir was! Überrascht sah Franzl hin. Er war gemeint. Raus? Ans Licht? Frische Luft? Freudig stand er auf. Simon aber faßte ihn am Ärmel. Nicht, Franzl… bleib da! He, Saujud! Laß ihn, wenn er raus will. Komm, Zigeuner! Franzl folgte dem Wächter. Der führte ihn nach wenigen Metern zu einer Kellertreppe. Unten war ein langer, schwach erhellter Flur. Eine der vielen Türen stand offen. Da rein! Hopp! Franzl betrat den Raum, der auch nur durch das spärlich einfallende Tageslicht eines kleinen Fensters unterhalb der Decke erhellt wurde. Dort stand in der Mitte ein merkwürdiges Gerüst. Zwei hohe Balken, oben durch eine Schräge, unten durch ein Brett miteinander verbunden. Das Brett hatte ein kreisrundes Loch. Der Wächter drehte am Lichtschalter. Der Raum war plötzlich in gleißende Helligkeit gehüllt. Da sah Franzl etwas, das ihm den Atem abwürgte. So stark, daß er glaubte, ersticken zu müssen. Auf dem Boden vor dem Loch lag ein Kopf. Ein Menschenkopf. Und alles ringsum war voller Blut. So, Bursch. Du nimmst jetzt den Kopf und legst ihn in den Korb da. Drüben im Nebenraum ist ein Ofen. Dort brennt ein Feuer. Ein großes Feuer. Den Kopf wirfst du in das Feuer. Dann machst du das Blut da weg. Hier ist ein Schrubber und ein Wassereimer. In einer halben Stunde bin ich wieder da. Dann ist alles blitzblank, verstanden?! Du wolltest ja unbedingt raus, hi, hi, hi, hi… hopp, anfangen! Franzl starrte auf den Kopf. Die Augen waren weit aufgerissen, die Haare nach allen Richtungen weggespreizt, Mund und Lippen so verzogen und verformt, daß die daraus hervorbleckenden gelben Zähne ein geisterhaftes, in eine auf Ewigkeit unveränderbare Form gegossenes Lachen vorgaukelten. Er verstand nichts, denn mit der ihm bekannten Wirklichkeit hatte die Szenerie nichts gemeinsam. Aber er zitterte wie Espenlaub. Hopp, hab´ ich gesagt! Oder soll ich dich auch gleich draufschnallen? Das Fallbeil darf nicht rosten. Dienstvorschrift. Willst du jetzt wohl?! Wie in Trance bückte sich Franzl nach dem Kopf, nahm ihn in die Hände und legte ihn in den Korb. Aus dem Ofen schlug ihm eine sengende Flamme entgegen. Er warf den Kopf hinein. Zumachen, Blödian! Er schloß die Schürluke. Dann schlurfte er zurück in den Hinrichtungsraum und bewegte mechanisch den Schrubber auf dem Boden hin und her. Das Blut war bereits angetrocknet. Auf die Knie. Hier, eine Wurzelbürste. Aber jetzt a bisserl plötzlich! Das Blut war stumm und sogar gnädig, denn es gab nach. Das Wasser im Eimer färbte sich dunkel. Der Wächter ging nicht weg, sondern wartete und stieß ihn mit dem Stiefel auf jeden Rest. Endlich war alles weg. In den Gully mit der Brühe, draußen auf dem Flur. Und dann ab! Zurück in die Zelle! Und wenn du nicht parierst, Zigeuner, dann darfst du noch einmal raus, kapiert? Franzl wankte zurück in die Gemeinschaftszelle und fiel neben Simon auf den Boden. Er atmete schwer. So haben sie uns alle drangekriegt, Franzl. Geködert, gelockt. Deswegen wollte ich dich aufhalten. Jeder, der neu ist, macht diese Prozedur mit. Sie haben ihren Spaß daran. Den Spaß mit dem neutralisierten Grauen, so nenne ich es. Alles ist neutral, die Guillotine, der Kopf, das Blut, der Ofen, sogar der Schrubber und der Wassereimer. Wie sie selbst, diese Schweine. Nein, Schweine sind sie eigentlich nicht. Weil Schweine sowas nicht machen. Sadisten heißt es richtig. Weißt du, was ein Sadist ist? Das ist einer, der das größte Vergnügen daran hat, Menschen zu quälen. Denen schwillt dabei sogar ihr Gockel auf. Eine richtige Lanze kriegen die, verstehst du? Und die Neuen sollen diese Neutralität kennenlernen. Die Neutralität des Grauens… die so neutral ist wie ein Stein im Boden, wie ein Stück Eisen, wie das Fallbeil… hier ist deine Wassersuppe. Ich hab´ sie dir aufgehoben. Du wirst sie allerdings kaum behalten können. Keiner konnte das, als er zurückkam. Als Simon ihm den Napf hinhielt, spie Franzl Galle auf den Boden vor sich.

Werke

  • Achtung: Die rot hervorgehobenen Werke sind veröffentlicht
  • 1995: INTERNIERUNG – SINGET DEM HERRN“,
  • Autobiographisches (Windsbacher Knabenchor); Auszug unter „Leseproben“
  • 1996: DER VIEHHÄNDLER, hist. Roman; Verlagsverträge für beide Werke beim Jasmin- Eichner-Verlag, Offenburg (Zuschußverlag). Januar 1998 Insolvenz dieses Verlags. Eigener Verlust DM 13.000.- durch Vorauszahlung ohne Gegenleistung. Der Verlag blieb juristisch unbehelligt. > Warnung vor Zuschußverlagen und Literaturagenturen, die Lektorierungen oder Schreibkurse gegen Honorar anbieten anstatt an Verlage zu vermitteln, siehe http://www.literaturcafe.de/tag/literaturagentur/ <
  • DER VIEHHÄNDLER“ erschien 2005 im Mabase-Verlag, Nürnberg > www.mabase-verlag.de > v e r g r i f f e n <
  • 2000: Die Wanderschaft des Joschua Cohn, hist. Roman; erschienen im April 2014 bei Mabase, Nürnberg
  • NONOLOGE, biosophische Schelmereien in Kurzprosa DER PURPURMANTEL, hist. Roman aus römischer Zeit
  • 2001: RONDO, erotischer Roman, Hommage an eine gedemütigte Frau SISYPHUS, Roman (aus dem Lehrer-Leben eines 68ers), Rückschau mit einem schelmischen Auge, Roman
  • 2002: DIE GOTTMACHER, Erster Band einer religionsgeschichtlichen Romanreihe: Auf dem Konzil von Nicäa (325 n.Chr.) wird Jesus von Nazareth zu einer Einheit mit Gott und dem Heiligen Geist erklärt (Trinitätsdogma)
  • 2003: CHRISTKINDLMARKT, Schelmenroman
  • DIE GOTTESGEBÄRERIN, Band 2: Auf dem Konzil von Ephesus (431 n.Chr.) wird Maria zur Gottesmutter erklärt GOTTES ENKEL, Band 3: Konfrontation Judentum, Christentum, Islam MEINE KINDERBIBEL, Hörbuch, erschienen 2004 bei Streetlife-Verlag, Fürth/Bayern, www.streetlife-studios.com und Weltbild-Verlag, Augsburg.
  • 2004: NAHKAMPF – eine Jugend in der Stadt der Reichsparteitage, Doku-Roman nach der persönlichen Vita von Arno Hamburger, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg erschienen im Mabase-Verlag, Nürnberg
  • DER APOSTEL, Band 4: Aus dem Christenverfolger Isaak von Gischala wird Isarcus, der missionarische Begründer des Christentums GUTE-NACHT-GESCHICHTEN für Kinder, Hörbuch; erschienen im Streetlife-Verlag MEIN FREUND, Betrachtungen zum Thema „Alkohol“ (eigene Erfahrungen)
2005: DES MENSCHEN SOHN, Band 4: Der Mensch Jesus von Nazareth DER PAPYROS, Roman-Thriller mit historischem Hintergrund: Kampf um medizinische Geheimnisse der untergegangenen Großbibliothek des antiken Alexandria ´68 Wat denkste, KARFUNKEL? Roman über einen Berliner Alt-68er, Rückschau mit dem anderen schelmischen Auge; erschienen Januar 2019 im Einbuch-Verlag Leipzig HASENGESCHICHTEN für Kinder im Vor-und Grundschulalter, Hörbuch, erschienen im Streetlife-Verlag 2006: SCHWURBRÜDER, Band 5: Martin Luther im Zwiespalt seiner Persönlichkeit einschließlich der späteren Judenfeindschaft NONOLOGE II, Band 2 VON GUTEN UND VON BÖSEN MÄCHTEN, Doku-Roman über Dietrich Bonhoeffer TIERGESCHICHTEN FÜR KINDER, Hörbuch; erschienen November 2007, Streetlife-Verlag
  • 2007: SPIESS VORAN!, hist. Roman um eine rebellische Frauensperson im deutschen Bauernkrieg 1524/25 DIE GESCHÄFTSSTELLE, satirische Beamten-Posse, Schelmenroman; erschienen im Einbuch-Verlag Leipzig 2018 FRANZL – KEINER WEISS WOHIN, Doku-Roman über den Sinto Franz Rosenbach, der Auschwitz überlebte; erschienen im März 2008 bei Mabase, Nürnberg). REPUBLIK AM SEE, Gesellschaftsgroteske, Schelmenroman, Gesellschaftsgroteske, Einbuch-Verlag Leipzig 2019
  • 2008: Roman IM NAMEN GOTTES, Band 6 und Ende der religionsgeschichtlichen Reihe, s.o. > Der bewaffnete Aufstand der nationalreligiösen Zeloten gegen die römische Besatzung im Palästina des 1. Jahrhunderts nach Christus RATTEN SCHLAFEN NIE, Doku-Roman über die sog. „Rattenlinie“, über die NS-Kriegsverbrecher (u.a. Eichmann, Mengele und Schwammberger) nach 1945 mit Hilfe des Vatikan nach Südamerika ausgeschleust wurden
  • 2009: Keine Sause ohne Brause (GRAND PRIX), Schelmenroman, Absonderlichkeiten in der Welt der Populären Musik; erschienen im Mai 2017 im EINBUCH buch-und Literaturverlag Leipzig
  • Flieg, Engerl, Roman; Psycho-Drama um eine versuchte Kindstötung vor dem Hintergrund bitterster Armut, Gewalt gegen Frauen, Aberglaube und halluzinatorischer Persönlichkeitsstörungen in der Bergwelt Tirols um 1900 Erschienen im Mai 2015 bei Mabase Verlag Nürnberg
  • 2010: Doppel mit Damen, Schelmenroman Erschienen im Juni 2016 bei EINBUCH Buch- und Literaturverlag, Aurelienstraße 59, 04177 Leipzig
  • 2011: Einmal Kalau und rückwärts, eine Sammlung dramatischer Szenen von mittelschwerer epischer Wucht
  • 2014: Kolumnen 2007-2013

Rezension Freiburger Rundbrief

Rezension zu „Nahkampf – Eine Jugend in der Stadt der Reichsparteitage“ in „Freiburger Rundbrief“, Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung, 3/2007 Willi Weglehner ist mit diesem „Doku-Roman“ ein hervorragendes Zeitbild der Jahre 1930 bis 1945 in Nürnberg, der „Stadt der Reichsparteitage“, sowie dem fränkischen Umland gelungen. Der Roman beginnt mit einer Überraschung. Der neunjährige Alfred Ellwanger will in die Bande der „Johannisler“ (St. Johannis, ein Nürnberger Arbeiterviertel) aufgenommen werden und besteht die dazu erforderlichen Aufnahmeprüfungen. Nichts läßt darauf schließen, daß es hier um mehr geht, als um ganz normale Abenteuer heranwachsender waschechter Nürnberger, die mit Variationen in allen Gegenden der Welt so geschehen können. Erst als Ellwanger eines Freitagsabends einen Bandentermin nicht einhalten kann, weil er mit der Familie den Sabbatbeginn feiern muß, entwickelt sich der Roman zur Geschichte eines jüdischen Jugendlichen während der Nazi-Diktatur. Der Leser erlebt nicht nur, wie Schritt für Schritt den Juden sämtliche Rechte genommen werden, es wird ihm auch die völlige Idiotie des jüdischen Rassenwahns deutlich vor Augen geführt. Der fränkische Meister des Judenhasses und Herausgeber des Hetzblattes „Stürmer“, Julius Streicher, steht dabei im Mittelpunkt. Zwei Ereignisse bilden die exemplarischen Höhepunkte dieses Wahns: die „Nürnberger Gesetze“ des 3. Reichsparteitages 1935, die den jüdischen Mitbürgern alle Rechte absprechen, und die Pogrome gegen jüdische Einrichtungen, die in der Nacht des 9. November 1938 gipfeln. Alfred Ellwanger erlebt diese Ereignisse unmittelbar mit, teils sogar fasziniert, z.B. vom ersten öffentlichen Auftritts Hitlers in Nürnberg, meist jedoch geschockt, verzweifelt, voller Zorn, gedemütigt. Seine Liebe zu Nürnberg, seinem „Schatzkästlein“, bleibt jedoch ungebrochen, auch als er aus der Stadt vertrieben wird. Buchstäblich in letzter Sekunde kann er kurz nach Ausbruch des Krieges noch fliehen. Er gelangt über Triest illegal nach Palästina und schließt sich der „Jewish Brigade“ an, die in der britischen Armee gegen Deutschland kämpft. Nach Kriegsende kommt er in sein zerbombtes Nürnberg zurück und trifft glücklicherweise seine Eltern wieder. Als er einem ehemaligen Bandenmitglied der Johannisler begegnet, der zwölf Jahre zuvor begeistert in die Hitlerjugend eintrat und sich im Haß gegen die Juden und gegen ihn besonders hervortat, ist er kurz daran, gegen diesen seine ganze angestaute Wut zu entladen: „Da war auf einmal dieses Gefühl gewesen, es einem heimzuzahlen. Schon als er mit Erwin [einem anderen jüdischen Flüchtling, den er auf der Flucht nach Palästina kennen lernte] die fremde Sprache gelernt hatte, war von dem hebräischen Wort nakam für Rache eine gewissen Faszination ausgegangen, weil das so ähnlich klang wie Nahkampf. Und dann stand er auf einmal vor einem Objekt, an dem er seine Rache weidlich hätte nehmen und ausleben können. […] Er erinnerte sich an den Unterricht zur Bar Mizwa. Von Tod und Verderben, aber genauso von Vergebung war da die Rede gewesen. […] Hatte deshalb nicht allein der Ewige das Recht, nicht nur, weil er die Gerechtigkeit selbst ist, zu richten, zu strafen, zu vergelten?“ Ellwanger übt keine Rache, sagar dann nicht, als er erkennen muß, daß dieser ehemalige Bandenkamerad überhaupt keine Reue zeigte. Ellwanger will sich nicht auf die gleiche Stufe herablassen. Er beginnt vielmehr, zusammen mit seinem Vater die jüdische Gemeinde in Nürnberg wieder aufzubauen. Das Buch ist zwar ein Roman, in den historischen Details hält sich Weglehner jedoch an streng an die Fakten. Arno Hamburger, erster Vorsitzender der der israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, bestätigt dies in seinem Nachwort. So leistet Weglehner seinen Beitrag gegen das Vergessen an die einstigen Jüdischen Gemeinden in Bechhofen, Dittenheim, Treuchtlingen, Sulzbürg, Schwabach oder in Thalmässing, dem Heimatort des Autors. Herbert Winklehner, OSFS, Eichstätt

Nebula Andromedae

Nebula Andromedae Achtung Autofahrer auf allen Straßen der Welt! In Kürze kommt Ihnen dichter Nebel entgegen. Bitte schalten Sie Ihre Lumina Nebularum, pardon, Nebelscheinwerfer ein! Sie lasen soeben eine Durchsage des Verkehrsfunks aus dem Jahr 2.000.002.007, in Worten Zweimilliardenzwotausendsieben. Was? So weit sind wir doch noch lange nicht. Klar, doch was sind zwei Milliarden Jahre im Vergleich zur Ewigkeit? Außerdem dauert der Vorgang in seiner Gesamtheit fünf Milliarden Jahre, da kann man sich, sofern man flexibel genug ist, darauf einstellen und zwischendurch sogar neue Nebelscheinwerfer kaufen. Trotzdem aufgepaßt, nicht nur ihr Autofahrer, denn in zwei Milliarden Jahren wird unsere Galaxie, die Milchstraße, mit dem Andromedanebel zusammenscheppern. Es ist also leider nicht nur der Nebel, denn der gibt nach. Dabei wird alles ganz romantisch beginnen. Die beiden Sternensysteme bewegen sich im Kerzenschein roter und weißer Zwerge aufeinander zu, schnuppernd gewissermaßen, wie beim Kennenlernen zu einem Pennälertanzkurs. Dann aber… na, wie im Geschlechterkampf eben, kennt jeder. Die Wirtschaft hat den schmorenden Nebelbraten schon lange gerochen und empfiehlt dringend den Kauf von saubilligen Nebelschaufeln made in Schilda, der galaxieberühmten deutschen Stadt. Nach den Berechnungen der Astrophysiker hat das aber noch weit unangenehmere Folgen für uns, denn der Crash wird unsere Erde wegschleudern. Wohin genau, ist derzeit noch unbekannt. In irgendwelche Außenbezirke, vermutet man. Aha, Vorstadtcharakter. Nix mehr Theater, Oper, Disco, Fun. Die Deutsche Bahn hat für diese Begleiterscheinung vorgesorgt. Vorausgesetzt, die dämlichen Lokführerstreiks sind dann ein für allemal beendet. Das kann ja wohl auch keine fünf Milliarden Jahre mehr dauern. Suchtrupps sind bereits in stillgelegten Eisenbahnstollen unterwegs, die alte, vertraute Schilder aufspüren sollen: Suche beim Gehen und Stehen festen Halt! Einer der beiden verantwortlichen Rechengenies vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge freut sich schon heute: „Das ist der erste meiner Fachartikel, der eine Chance hat, in fünf Milliarden Jahren zitiert zu werden.“ Glückwunsch, Meister des Himmels und der Erden! Quelle: SPIEGEL ONLINE vom 15. Mai 2007

Schwurbrüder, historischer Roman (Martin Luther)

W.Weglehner „Schwurbrüder“ Hist. Roman ca 540 S. Synopsis Hand in Hand mit der Wiederbesinnung auf das aristotelische Weltbild von der Gestalt der Erde als einer Kugel, verifiziert durch die Expeditionen waghalsiger Abenteurer, war ein neuer Kontinent entdeckt worden, unvorstellbar reich an Ressourcen aller Art. Vor diesem Hintergrund gerät die Welt in Bewegung, gierig nicht nur nach Bereicherung, sondern auch danach, aus den starren Systemen politsch-ökonomisch-soziokultureller Zwänge einer vorangegangenen Zeit in dunkler Unmündigkeit, beherrrscht von einer rigiden Kirche, die seit Jahrhunderten am Christentum vorbei nicht anders als die weltlichen Herrscher die Menschen geistig unterdrückt und wirtschaftlich ausbeutet, auszubrechen. Die Folge sind Versuche auf allen Ebenen, die Fesseln, die einer voranschreitenden Entwicklung im Wege stehen, abzustreifen. Ziel ist die ökonomisch-politische Neugestaltung und -verteilung der Welt, alt wie neu. Damit geht einher das Denkmodell des Humanismus, dem noch immer eine mystische, teufels- und dämonengläubige Weltanschauung gegenübersteht. Begünstigt werden diese Ideen der Neugestaltung durch das erstarkende ständische Bürgertum in den Städten mit seinen frühkapitalistischen Produktions- und Gesellschaftsstrukturen, Aufblühen des Handels, Entstehung einer schwerreichen Finanzoligarchie, der weitgehenden Verschuldung des Adels und der Kirche, das Aufbegehren gegen die völlige Entrechtung der Bauern (Leibeigenschaft) mit Ansätzen zur Abschaffung des Feudalismus. Hinzu kommen die inneren Widersprüche des bestehenden Feudalsystems in Form gegenseitiger Konkurrenz um Geld und Macht. Das Ahnen um eine neue Zeit ist angebrochen. Romanhandlung: Martinus, Spalatinus und Moses sind mehr als Freunde, nämlich Schwurbrüder seit Jugendzeit. Die beiden ersten sind Christen und Studenten an der Erfurter Universität, der dritte, schon etwas ältere im Bunde, ist Handelsmann und Jude. Die Pest geht um im Lande, eine rechte Zeit für die Ablaßprediger der römischen Kurie. Martinus, ein äußerlich lebensfroher Student der Rechte von brillantem Geist und charismatischer Ausstrahlung, tut sich hervor durch provokante Auftritte gegen den römischen Ungeist und begeistert damit nicht nur Kommilitonen. Nicht einmal die beiden Schwurbrüder wissen jedoch um die Abgründe seiner Seele, verursacht durch einen brutalen Vater und die unnahbare Mutter. Wüste Träume von Teufeln und Dämonen, eingebunden in nicht erklärbare sexuelle Phantastereien, verfolgen ihn, bisweilen bis an den Rand des Wahnsinns. Die Kirche ist längst auf ihn aufmerksam geworden, denkt aber nicht daran, ihn zu verfolgen, sondern sich dessen Wirkung auf die Menschen zunutze zu machen. Eine Gelegenheit dazu ergibt sich, als Martinus während eines Duells ohne Verschulden einen Kommilitonen tötet. Man bringt den Verstörten in das Kloster der Augustiner nach Erfurt und dreht ihn systematisch um, bis er in die Gemeinschaft eintritt. Dort nimmt sich der Generalvikar der observanten Augustiner, Dr. Johannes von Staupitz, der von den Plänen nichts weiß, aus christlicher Nächstenliebe und tiefem Mitleid seiner an. Martinus faßt Vertrauen zu ihm, denn er sieht eine Art Vaterersatz in ihm. Um ihn abzulenken, schickt Staupitz ihn in einer inneren Angelegenheit des Ordens nach Rom. Dort muß er die Sünde in ihrer schlimmsten Form erleben und erleidet schwere Rückfälle. Zur gleichen Zeit wohnt Giovanni di Medici einer Zusammenkunft bei Papst Julius II. bei, der von dem jungen, ehrgeizigen Mann sehr angetan ist. Staupitz motiviert Martinus nach dessen Rückkehr zum Studium der Theologie mit dem Ziel der Erlangung des Doktorats an der Universität zu Wittenberg. Während der Arbeiten zur göttlichen Gnadenverheißung, mit der er dem zerrissenen Bruder insgeheim helfen will, beschäftigt sich Martinus intensiv mit den Schriften des Apostels Paulus und der Evangelisten und stößt dort auf heftige Angriffe gegen Juden. Das Verhältnis zu Schwurbruder Moses bekommt erste Risse. Gleichzeitig lernt Martinus die Werke des radikalen Denkers Wilhelm von Ockham, der dem Papst vor langer Zeit schon die Unfehlbarkeit absprach, und die des böhmischen Aufrührers Jan Hus kennen. Als neue Freunde sind Professor Karlstadt und der Student Philipp Melanchthon zu der Runde gestoßen. Ein spezieller „Wittenberger Geist“ beginnt sich zu entwickeln, der rasch um sich greift. Spalatinus wird bald in eine Vertrauensstellung an den Hof des Kurfürsten Friedrich von Sachsen berufen. Der junge Albrecht von Brandenburg, geheimer Auftraggeber der Umdrehung Luthers, kauft sich mit riesigen Summen, die er von den Fuggern aufnimmt, die Bistümer Magdeburg und Mainz, verpflichtet sich im Gegenzug, die Hälfte des Ablaßgeschäfts an die Kurie abzugeben und wird zum engsten Gefolgsmann des Papstes in Deutschland. Giovanni di Medici wird als Leo X. neuer Papst. Er frönt hauptsächlich den Frauen und der Jagd und ernnennt seinen Freund Giacomo Caetano zum persönlichen Berater. In Deutschland tritt der Humanist Reuchlin gegen den Hetzer Pfefferkorn, einen zum Christentum konvertierten Juden an. Die Wittenberger, Martinus eingeschlossen, sind seine begeisterten Anhänger. So erscheint es allen umso unverständlicher, als Luther plötzlich öffentlich gegen die Juden predigt. Vor allem Moses, der noch immer keine richtige Erklärung weiß, trifft er damit sehr hart. Moses scheut jedoch die erste Auseinandersetzung um Paulus, den Spalter seines Volkes, nicht. Martinus zieht sich zurück, entwickelt die 95 Thesen und schickt guten Glaubens eine Abschrift an Erzbischof Albrecht von Mainz. Der Aufruhr im Lande ist beträchtlich, als die Thesen öffentlich werden. Vor allem aber in Rom ist der Teufel los. Leo spricht das erste Mal von Ketzerei und allen möglichen damit verbundenen Konsequenzen. Er schickt Caetano nach Augsburg, um den Kontakt mit den Fuggern aufzufrischen. Jakob Fugger, der Reiche, ist über sein Agentennetz längst über alles informiert. Er fürchtet hauptsächlich die Konkurrenz der Medici und beginnt, nicht weniger perfide als die Römer, seine intriganten Fäden zu spinnen. Martinus wurde gleichzeitig nach Augsburg geladen, geht Caetano, in dem er auf einmal den Vater sieht, am Ende eines dreitägigen Verhörs in einer Aufwallung von verblüffendem Selbstbewußtsein an die Kehle und flieht dann doch voller Furcht auf einem „zufällig“ bereitstehenden Pferd. Zurück in Wittenberg mimt er gegenüber Thomas Müntzer, der seine Be-kannt-schaft sucht, den großen Helden. Dann stirbt Kaiser Maximilian, und Jakob Fuggers Bestreben ist es, den jungen König Karl von Spanien, Maximilians Enkel, mit dem vorausschauenden Blick nach Übersee als dessen Nachfolger auf den Thron zu bringen. Leo dagegen läßt verkünden, einen Kaiser seiner Wahl einzusetzen, König Franz I. von Frankreich. Der Konflikt für viele Jahre ist damit vorprogrammiert. Dem Fugger gelingt es, in einem Hazardspiel, bei dem er mehr als die Hälfte seines privaten Vermögens riskiert, Karl durch Bestechung der deutschen Fürsten als Kaiser durchzupeitschen. Als die näheren Umständen bekannt werden, nimmt der Unmut in deutschen Landen sprunghaft zu. Erste Volkserhebungen, vornehmlich unter Bauern, sind die unausbleibliche Folge. Maßgeblichen Anteil daran hat Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Karlstadt und Müntzer wollen sich der Sache des Volkes besonders annehmen. Martinus reagiert eifernd und selbstherrlich: Das sei seine Sache. In Rom wird der Kirchenbann gegen ihn ausgesprochen. Das ist Wasser auf die Mühlen der Wittenberger, die die Bannbulle in einer Art Volkfest umgehend verbrennen. Martinus versteigt sich dabei zu der Anmaßung, der Bann sei ein Schlag gegen den Heiligen Gottes, also ihn, gewesen. Staupitz kommt als gebrochener Mann nach Wittenberg. Man habe ihn der Unzucht mit Männern bezichtigt. Gleichzeitig beschwört er Luther erfolglos, seine Haltung den Juden gegenüber zu bedenken. Mittlerweile macht Kurfürst Friedrich sich seine Gedanken über eine nicht aufzuhaltende Ent-wicklung in der Zukunft. Mitmachen oder nicht? Jedenfalls dürfe Luther, der zum Reichstag vorgeladen ist, nicht widerrufen. Er sieht darin die Möglichkeit, sich vom Primat des Papismus schrittweise zu lösen. Martinus, aufgemuntert von Vertretern der Zünfte und des Rittertums, widerruft nicht und wird, unter die Reichsacht gestellt, auf der Rückreise prompt und recht realitätsnah „überfallen“, verschleppt und findet sich auf der Wartburg wieder, wo Spalatin schon auf ihn wartet. In Rom rechnet Leo mit seiner Familie ab, die ihm nur entgegenarbeitet. Die Vettern Giulio und Alessandro beschließen daraufhin seinen Tod. Aufgrund der Intrige eines Erfurter Handelsherren wird Moses verhaftet und gefoltert. Erst durch Spalatins Eingreifen kommt er wieder frei. Während Luthers Abwesenheit stürmen Karlstadt und Müntzer einige Kirchen und zerstören Altäre und Heiligenbilder. Wutenbrannt verläßt Martinus die schützende Wartburg und stellt sie zornbebend zur Rede. Sie gehen als Feinde auseinander, und die beiden schließen sich der aufflackernden Bauernerhebung an. Eines Tage kommt eine Handvoll geflohener Nonnen aus dem Kloster Nimbschen nach Wittenberg und findet im Hause Cranachs, Luthers Freund, Unterschlupf. Martinus verliebt sich in Ave von Schönfeld, sieht in ihr jedoch in einem Rückfall eine römische Hure, so daß Katharina von Bora an ihre Stelle treten kann. Der Wahlspruch des überheblich gewordenen Reformators lautet inzwischen: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich! Jakob Fugger hat von einem jüdischen Finanzier namens Michel von Derenburg erfahren, der ihm ins fürstliche Leihgeschäft hineinzupfuschen scheint. Er beschließt, dessen Spuren nicht aus den Augen zu lassen, vor allem weil er gewisse Zusammenhänge vermutet, denn einige Fürsten beginnen bereits, sich auf die Seite des Ketzers zu schlagen. Papst Leo X. stirbt elendiglich unter mysteriösen Umständen. Auch Nachfolger Hadrian überlebt ihn nicht lange. Der nächste Papst heißt Giulio di Medici, bzw. Clemens VII. Mit der Abfackelung einer Marienkapelle bei Allstedt unter Führung Müntzers beginnt der Bauernkrieg. Luther wechselt aus seiner Urangst und dem Spiel einiger Fürsten heraus mit der Schrift „Wider die mörderischen Rotten der Bauern“ die Seiten. In furchtbaren Gemetzeln, die auf Bauernseite mehr als 100.000 Tote fordern, wird der Aufstand niedergeschlagen. Aus Luther, dem von oben Getretenen wird der nach unten Tretende. Die psycho-somatischen Anfechtungen (z.B Tinnitus, Magen- und Darmprobleme) treten wieder auf, und er sieht Teufel, Hexen und Hebräer als Verbündete des Papismus. Damit einhergehend verbittet er sich mittlerweile jegliche Kritik auch aus dem Freundeskreis, worunter insbesondere Melanchthon sehr leidet. Jakob Fuggers Nachfolger Anton versteht es prächtig, das abgefeimte Spiel des verstorbenen Onkels fortzusetzen, nachdem der schwedische König die Kirchenreform in seinem Land eingeführt hat. Daneben verbeißt er sich in die Fersen des Derenburgers, bei welchem viele der lutherischen Fürsten tief in der Kreide stehen. Es gelingt ihm auch, sich über Spalatin an Luther heranzumachen und treibt sein Doppelspiel auf die Spitze. Luther, von den protestierenden Fürsten auf dem zweiten Reichstag von Speyer erneut aus der Reichsacht herausgepreßt, fühlt sich jetzt als alleiniger Sieger und läßt sich nur noch in einem kleinen Kreis von Speichelleckern hofieren. Mit der Confessio Augustana ist der Bruch mit den Römischen endgültig vollzogen. Anton Fugger bewegt Graf Ulrich XI. von Regenstein-Blankenburg, einen der Hauptschuldner Michels von Derenburg, diesen wegen Betrugs anzuzeigen. Damit verbunden sind üble Verleumdungen, die man dem jüdischen Finanzier in die Schuhe schiebt, was zusammen mit dem Erscheinen des Halley´schen Kometen zu neuer Unruhe im Volk führt, so daß der Kurfürst schließlich die Ausweisung der Juden aus Sachsen verfügt. Moses, der wie Karlstadt in die Schweiz will, sucht fieberhaft nach seinem alten Bekannten Michel von Derenburg, damit der ihm ein Stück Geleitschutz gewähre. Mehr zufällig kommt er nach Wittenberg, wo man ihn unter Luthers Augen beschimpft und mißhandelt. Ohne Hoffnung kehrt er nach Erfurt zurück und steht vor der ausgebrannten Ruine seines Hauses. In der Scheune findet er seine erschlagenen Angehörigen. Wie in Trance geht er hinauf zu der alten Eiche über der Stadt, dem Lieblingsort der Schwurbrüder in der Jugendzeit und erhängt sich. Leseprobe Sommer, endlich ein gottgnädiger Sommer, der uns Brot und Auskommen bescheren wird! jubelten die Menschen seit Wochen im Freudentaumel, vor allem die Bauern. Heiß war er, dieser Sommer, der Sommer überhaupt, an dessen Wiederkunft keiner mehr hatte glauben wollen, ließ das eine oder andere gesunde Gewitter sich austoben, ohne Wasserfälle auf das Land zu schütten, um es wieder zu ersäufen, die Feldfrüchte gut reifen, und die Gemüter der Herren, Städter und Ländler erhellten sich mit jedem neuen Tag des himmlischen Segens. Es sah aus, als habe neues, beinahe paradiesisches Leben die Erde erfüllt. Vor allem die Herren Studiosi im Lande, in Magdeburg und Wittenberg insbesondere, denen weder die Bestellung der Felder, noch die Erzeugung von Gebrauchsgütern, noch der Handel oblag, feierten über Gebühr, das heißt, sie soffen den Wein wie Kühe das Wasser oder nach dem bescheidenen Maß, das ihre Geldkätzchen dafür hergaben und führten galant die Dirnen umher, um sich nach einer Weile mit ihnen zu verstecken und ihre Kätzchen zu streicheln und zu bürsten nach deren maßgeblichen Forderungen. Auch Erfurt machte da kaum eine Ausnahme. Die einen fielen, statt zu studieren, in die städtischen Schenken ein, andere, Vorsichtigere, zogen es vor, die Dörfer der Umgebung zu beehren und unsicher zu machen, weil sie dort keiner kannte. Auch Martinus hatte begonnen, solchen Lüsten zu frönen. Lediglich von den Lotterweibern halte er sich fern, so wußte es Spalatin von den Kommilitonen, weil der Freund sich rar machte. Es war hin und wieder auch zu hitzigen Händeln gekommen, entfesselter Studenten untereinander, aber auch gegen zwielichtige Gestalten in den Kaschemmen, die hie und da bereits mit den Degen ausgefochten worden waren. Daraufhin habe auch Luther sich gegürtet zu seinen Ausflügen. Viel Zeit der Besorgnis darüber blieb den Schwurbrüdern nicht. Es geschah am zweiten Tag des Monats Juli im Jahre des Herrn 1505. Martinus saß, dumpf vor einem Krug Weines brütend, an einem Tisch vor dem Dorfgasthaus zu Stotternheim. Eine uralte Linde spendete dort angenehmen Schatten, denn bereits zur Mittagszeit schob drückende, feuchtheiße Luft Wolkenbänke im Westen zu riesigen, weißquellenden Gebirgen übereinander. Das Korn stand kurz vor der Reife, und die Bauern hatten sich wieder darauf besonnen, die Geißel des Hagels zu fürchten, der mit einem Schlag alles zunichte machen konnte. Mit Bangen blickten sie zum Himmel und beteten an den Wegekreuzen um Schonung der Fluren. So gingen sie vorüber an dem nichtsnutzigen Zecher, dem sich bald einige andere Studiosi beigesellt hatten und mißbilligten schweigend deren Müßiggang. Die Wolken schienen stehenzubleiben und, je weiter die Stunde fortschritt, desto dichter zusammengepreßt zu werden, so wölbten sie sich auf. Kein Lüftchen ging mehr durch die Baumkronen, und die Vögel ließen von ihrem übermütigen Gezwitscher ab. Außer ihren am Körper klebenden Kleidern bemerkten die Zecher von alledem nichts. Würfel klapperten, Geldstücke rollten über den Tisch, Verwünschungen, lästerliche Flüche und kurzes, wohlwollendes Gegrunze über einen scheinbaren, schnöden Gewinn waren die einzige Unterhaltung. Martinus beteiligte sich nicht am Spiele, das er vom Teufel zu nennen pflegte und nahm daher auch keine Notiz davon. Da galoppierte ein feuriges Roß samt Reiter auf den Platz. Hinter ihm saß eine Frau, der man ihr Gewerbe von weitem ansah. Sie schäkerten und turtelten und ließen sich bei der Runde nieder. Martinus hatte kurz aufgesehen und war dann weiter seinen Gedanken nachgehangen. Bei dem Reiter schien es sich um einen gutbetuchten Junker aus studentischen Kreisen zu handeln. Der fixierte den Magister in grübelnder Überlegung. Endlich sprach er ihn an. He, du, dich kenne ich doch. Bist du nicht der Magister Luther von der juristischen Fakultät? Der sich vor einiger Zeit mit einem Ablaßprediger anlegte? Unwirsch wendete Martinus den Blick dem Störenfried seiner Gedanken zu. Der bin ich. Wer aber bist du? Halt, ich weiß es: Du bist der Bruder Springbock von der Philosophenschule der Strolche und Tagediebe, wenn ich nicht irre. Laß mir meine heilige Ruhe! Die Würfler waren einen Moment aufmerksam geworden und lachten dröhnend. Der Junker bezwang sich, obwohl seine Hand zum Degen hin gezuckt hatte. Seine Gespielin fuhr ihm durch die wirren Haupthaare. Sie focht die Beleidigung des anderen offenkundig nicht an. Der Gehöhnte aber schüttelte ihre besänftigende Liebkosung ab. Deine heilige Ruhe? Bist du heilig geworden, Luther? So heilig wie der Mönch etwa, den du schmähtest? Ich bin nicht heilig, sieh nur gut her! Er fuhr der Dirne mit der Hand unter den Rock, daß sie den Kopf in den Nacken warf und gurrte. Möchtest du es auch probieren? Hier, bediene dich, sie ist eine gute Lehrerin. Man sagt nämlich in der Stadt, du hättest es bitter nötig. Die Papisten tun das auch von Herzen gerne und mit Lust. Deswegen verstehe ich mich auch so gut mit ihnen. Ich bin einer der ihren und lasse nichts über sie kommen. Gefällt dir das, Luther? Möchtest du mit mir nach Rom reisen? Ich habe dort viele Freunde unter den geistlichen Herren, die so leben wie ich, und die mich schätzen. Na komm, die Kleine hier wartet auf deine Unschuld… Die Hure lachte und schob den Rock weit über die Knie hinauf. Martinus stand auf und kramte einige Kreuzer aus seinem Beutel, um den Wein zu bezahlen. Nicht doch, Luther! Du mußt nicht bezahlen dafür, ich tat das schon im voraus, nicht wahr, mein Täubchen? Das Täubchen stand auf, tänzelte auf den Magister zu und wollte nach ihm greifen. Ein flammender Blick aus blutunterlaufenen Augen traf sie, bevor er sie zur Seite schleuderte, daß sie zu Boden stürzte. Da sprang der Junker auf und riß den Degen aus dem Gürtel. Der Magister stand ihm nicht nach, und schon prallten die Klingen gegeneinander. Sand und Staub wirbelten auf unter den Tritten der Kampfhähne. Noch lachte der Junker, der glaubte, ein leichtes Spiel zu haben, denn er hatte das Fechten gelernt. Martinus dagegen führte seine Waffe nur gegen etwaige Überfälle mit sich. Doch mit jedem Hieb, den er parieren konnte, wurde er sicherer, während der Junker sah, daß er den Kontrahenten unterschätzt hatte. Zudem wurden des Magisters Gegenstreiche kräftiger, denn er war vom Wein erhitzt und keineswegs betäubt, wie der andere angenommen hatte. Gebannt folgten die Zecher dem Hauen und Stechen, das an Heftigkeit zunahm. Die Kämpfenden gaben mit jedem Streich kaum unterdrückte Urlaute von sich und ächzten, der Schweiß floß in Strömen an ihren Leibern hinab und troff ihnen von hitziger Stirne in den aufgewühlten Sand. Das Roß des Junkers schnaubte, scharrte und wieherte, als spürte es, was da vor sich ging. Die Dirne hielt die Fäuste vor den Mund und preßte einen Schrei nach dem anderen hervor. Der Junker, rasend geworden, legte es darauf an, den Gegner niederzustechen, das verstand jetzt ein jeder. Seine Hiebe und Stiche zielten in gerader Linie auf den Leib des Magisters, und nichts war ihnen mehr gemein mit edlem, mannhaftem Kräftemessen. Auch Martinus hatte die Gefahr rechtzeitig erkannt, sein Blut war in Wallung geraten, und er fühlte, daß es ein Kampf auf Leben und Tod geworden war. Von starker Natur, wußte er, daß sein Vorteil nur in der Dauer des Gefechts liegen würde. So kämpfte er weiter verbissen, aber nicht wie der andere in Attacken, die Kraft kosteten. Und er bemerkte wohl, daß dessen Angriffe bald schwächer, jedoch nicht weniger kunstvoll geführt wurden. Wieder gelang es ihm, einen kerzengerade geführten Stich abzuwehren, wobei seine Klinge am Stahl des Junkers entlangschrammte und diesem direkt in den Hals fuhr. Ein Schwall von Blut schoß daraus hervor, bevor der andere wankte und vornüber in den Staub fiel. Martinus begriff einen Augenbick lang nichts. Erst als die Zecher voller Entsetzen davonstoben, wußte er, was geschehen war. Die Dirne beugte sich über den Sterbenden und kreischte wie im Irrsinn. Da warf er den Degen hin und rannte weg vom Platz, als sei der Teufel, der ihn so oft heimsuchte und plötzlich Fleisch und Blut geworden, hinter ihm her. Er hetzte, stürzte, raffte sich auf, sah, daß das Wolkengebirge sich schwerfällig in Bewegung setzte und ihm folgte und rannte weiter, ohne Wissen, wohin, weg von den Wegen, über Feld und Flur, in einen Wald, stolperte über Wurzeln und auf dem Boden liegendes Geäst, riß sich Gesicht und Hände an Brombeersträuchern wund, bis auf einmal eine hundertpfündige Kanone nach ihm schoß und ihn zu Boden schmetterte. Eine Gesichtshälfte in den weichen Waldboden gedrückt, zog das Leben kurzbebildert vor seinen in gleißend hellen Lichtern erblindenden Augen an ihm vorüber. Hilf, heilige Anna, hilf! Dann dunkelte es vollends um ihn, und er rührte sich nicht mehr. Jetzt traten vier Gestalten, in Kutten gehüllt, aus dem Unterholz heraus, betrachteten und untersuchten den apathisch Daliegenden oberflächlich, nahmen ihn dann wortlos auf und schleppten ihn im prasselnden Regen durch den Wald, während Donnerschläge und Blitze allmählich schwächer wurden und sich schließlich ganz vergrollten. Auf einer Lichtung, nicht weit entfernt, stand ein Ochsenkarren, auf den sie den Besinnunglosen legten. Der starrte mit weitgeöffneten Augen in die Baumwipfel, die nun langsam über ihn hinwegzogen, konnte außer dieser unbestimmten Bewegung jedoch nichts begreifen.

ad personam

Träger des Elisabeth-Engelhardt-Literaturpreises 2009 des Landkreises Roth/Mittelfranken

Gottlob nachgeboren am 4. Juli 1948 in Thalmässing, Mittelfranken, Bayern.

1958-67 Besuch des Humanistischen Gymnasiums in Windsbach, Mitttelfranken, Nordbayern.
Zielsetzung: Erreichen des antiken Bildungsideals. Zielsetzung nur partiell erreicht, weil der Durchschnittsmensch dem antiken Bildungsideal im besten Fall lediglich angenähert werden kann.

Internierung – Singet dem Herrn

Nun, da wir inzwischen schon etwa bei der Mitte meiner Aufzeichungen angekommen sind, will ich das, was ich vordem als „gravierende Einzelheiten“ bezeichnete, näher erzählen. Ich sehe es als die niedrigsten Höhepunkte meines Lebens, nie vorher, nie nachher so unmittelbar erlebt.
Dr. Dreschflegel prügelte aus Frust oder anderen niederen Beweggründen. Der TEUFEL prügelte zum Lobe Gottes.

The Mods 1965
The Mods 1965
curriculum_gross
Curriculum 1977

Dort durchgehend Sänger im WINDSBACHER KNABENCHOR mit der Zielsetzung einer optimalen klassischen Ausbildung. Zielsetzung schwer beeinträchtigt durch die gleichzeitige Begegnung mit dem Rock and Roll.

1967 bis 1969 Wehrdienst in der Dulles-Adenauer-Strauß-Armee, 18 Monate, Pflicht.
Zielsetzung: Baldige, vorzeitige Entlassung, möglichst nicht mit dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verbunden. Zielsetzung gescheitert. Die bürgerlichen Ehrenrechte konnten in die 68er-Rebellion hinübergerettet werden.

1969 bis 71 Studium der Rechtswissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, dazu wahlweise politische Ökonomie, dialektischer und historischer Materialismus.
Zielsetzung: Weiterentwicklung und Praktizierung einer demokratischen und sozialen Rechts- und Wirtschaftsordnung. Zielsetzung an der Erkenntnis der objektiven Unmöglichkeit nach vier Semestern rechtzeitig gescheitert.

1971 Wechsel an die Erziehungswissenschaftliche Fakultät und damit die herausfordernde Entscheidung für den Schuldienst mit der Zielsetzung, an der Herausbildung des neuen, mündigen, selbstbestimmten Menschentypus mitwirken zu können. Zielsetzung am Einfluß unüberwindbarer Konstanten sowie verschiedener intervenierender Variablen bezüglich der Gattung Homo Sapiens desaströs gescheitert. Ergebnis: Seit 2000 aus gesundheitlichen Gründen im Ruhestand und desperate housedog vor dem Hintergrund der Verbesserung des Verhältnisses zwischen den Geschlechtern.

Von 1980-95 nebenberuflich tätig als Komponist, Texter und Produzent (Leo Garsson) im Bereich Unterhaltungsmusik.

Hörbeispiele

https://www.youtube.com/watch?v=jnYRV_OXr84
https://youtu.be/o5VRioyFu8E

Zielsetzung: Glückliche Menschheit. Ziel hinsichtlich der Zielgruppe teilweise erreicht. In der Gesamtheit gescheitert an der absoluten Geschäftsuntüchtigkeit des Zielsetzenden.

Bis dato bekennender 68er mit leichten, nicht nur äußerlichen Modifikationen, zum Beispiel, im nächsten Jahrhundert angekommen.

Finale Zielsetzung: Keine Tricks mehr gegen μοϊρα, die unabänderliche Bestimmung.

Die Preisverleihung steht auf Youtube in 3 Teilen zur Ansicht bereit.

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