Trauer(un)kultur

Bei allem der Sache angemessenem Ernst bleibt ein fader Beigeschmack, ja, der Scheinheiligkeit hängen. Die allgegenwärtigen Bilder von Umarmungen, die kollektive Seelenbetreuung durch ein Heer von Psychologen und Seelsorgern, aus dem ganzen Land herbeigekarrt, und „Statements“ bis zum Erbrechen lassen einem kaum ein andere Wahl.
Ist das der gesamte Handlungsbedarf?
Hand anzulegen an kriminelle Computerprogramme, die sich zu einer  wahren Industrie des Todes ausgewachsen haben, bleibt ein Tabu. Kein Wunder, denn dahinter stehen übermächtige Medienkonzerne, die aus reinem Profitdenken nicht weniger verbrecherisch agieren als die Raubritter der Finanzwelt. Nur: In diesem Bereich sterben Menschen.
Und nicht zuletzt werden erziehungsunfähige oder -unwillige Eltern nicht in Pflicht und Verantwortung genommen, weil es um Wählerstimmen gehen könnte.
Was geschehen ist, ist wieder ein neues Spiegelbild dieser verkommenen Gesellschaft, und es wird so weitergehen, man verlasse sich darauf.