Politeia

                                                                   Пολιτεια

                                                                 Vom Staat oder Von der Politik Gerechtigkeit sei die oberste Maxime, ließ Platon seinen Lehrer Sokrates als Protagonisten in der „Politeia“ (der Staat) erklären. Gerechtigkeit ist in der Tat neben der Sorge um die Armen und Schwachen das höchste moralische Gut, eine der großen Errungenschaften der finalen Menschwerdung. Möglicher- und ansatzweise schon im menschlichen Wesen vorhanden, wird sie entwickelt durch kleingesellschaftliche Wertevermittlung, beginnend in der Familie, und nach und nach aus konkreten Anlässen entwickelte Rechtsnormen, die in Gesetzen ihren Niederschlag finden und danach ihre Durchsetzung erfahren. Solche Rechtsnormen bedürfen der ständigen Überprüfung und Anpassung an veränderte Gegebenheiten, weil die Rechtsbrecher, die sich selbst ausschließen, sehr findig sind. Die notorischen Rechtsbrecher, denen das elementare Rechtsempfinden offensichtlich fehlt, befinden sich im ständigen Kampf gegen das Recht und sterben nicht aus, obwohl sie in früheren Zeiten von der Justiz massenweise über den Jordan geschickt wurden. Ein Faktum, das uns von den anderen Tieren, die ausgestorben

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O Justitia

Justitia trägt eine Augenbinde. Der Fisch stinkt vom Kopf her. Es heißt, der alten Justitia seien die Augen verbunden, damit sie nicht nach Ansehen der Person urteile. Die Verwesung des Fisches beginnt beim Kopf. Lassen wir das vorerst mal so stehen. Es waren einmal vier hessische Steuerfahnder, die, ihrem hoheitlich-staatlichen Auftrag folgend, einer Schwarzgeldaffäre in bestimmten Kreisen nachgingen. Wer wusste Bescheid über diese Kreise? Was rauskam dabei, war eine ganz und gar nicht illustre Koch-Show. Aufgrund psychiatrischer Gutachten wurden die Beamten in den Ruhstand versetzt. Glück gehabt. Näheres dazu: SZ vom 17.Mai 2010 und Wikipedia. Es war einmal ein gewisser Gustl Mollath, der eine höchst brisante Schwarzgeldaffäre in bestimmten Kreisen aufdeckte. Er wurde aufgrund psychiatrischer Gutachten in die Klapse geschickt und saß dort sieben Jahre ein. Pech gehabt? Nein, denn Justitia wurde nicht nur geblendet, sondern fast erwürgt. Wer wusste Bescheid über diese Kreise? Näheres dazu u.a. unter www.gustl-for-help.de Ein alter Polterer - er ruhe, wo auch immer, hoffentlich in Frieden - wusste

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Von der Verantwortung

Verantwortung fußt auf Verpflichtung oder umgekehrt. In der Regel sind das Verpflichtungen, die aus besonderen Verhältnissen der Gegenseitigkeit resultieren: In der Ehe, der Familie, in Vertragsverhältnissen des Geschäfts- und öffentlichen Lebens. Verantwortung ist ein Grundpfeiler sowohl von Ethos als auch von Jus, wenngleich diese beide Pole, die eigentlich zusammengehören sollten, mitunter weit auseinanderdriften. Grundlage ist der moralische Verhaltenskatalog, erstmalig manifestiert im Dekalog, also den biblischen Zehn Geboten, gewachsen in Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden Menschheitsgeschichte. Daraus entwickelten sich normative Richtlinien, die ständig weiterentwickelt und als Gesetze schließlich verbindlich wurden für den Einzelnen und sein Verhalten in der Gemeinschaft. Die katholische Kirche kennt das Prinzip des do ut des: Ich gebe und erwarte, dass du auch gibst. Im weitesten Sinn also die positive, soziale Gabe. Nicht zu verstehen als das vulgo gern verwendete negative Wie du mir, so ich dir, die Vergeltung. Eher schon im Sinn des falsch übersetzten und dann auch bewusst irreführend gebrauchten alttestamentarischen Auge um

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Einstein war gut

Zumindest, als er die Zunge rausstreckte, sagen die Einen. Und seine Relativitätstheorie ist auch gut, selbst wenn sie relativ ist, sagen Andere. So wurde er, der größte Physiker aller Zeiten, heiß diskutiert. Neuerdings sogar, ob er wirklich der Größte  war oder nur ein Hochstapler. In gewisser Hinsicht wurde er jetzt aber ohne jeden Zweifel übertroffen. Von einem Computer, das erscheint logisch, weil Computer ja sogar Schachspieler übertreffen. Was Computer alles schaffen, können wir im einzelnen nicht aufzählen, denn dazu müssten wir Intelligenzler sein oder wenigstens die Sendung mit der Maus von Kindesbeinen an durchgehend belegt haben. Mittlerweile soll es aber schon möglich sein, Artilleriegeschütze oder lebendige Elefanten mittels Computer zu erschaffen. Der Computer katapultiert also den Homo sapiens, seinen Erfinder, hoch hinauf in himmlische Gefielde und sogar darüber hinaus, so dass kaum mehr nachvollziehbar ist, wer der Schöpfer ist: die Krone der Schöpfung selbst oder sein Produkt. Ein gelangweilter Rückblick auf den „Zauberlehrling“ drängt sich 

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Mal was anderes

Schon im Kindergarten stellte Heini Schmitt andauernd den Mädchen nach, ohne zu wissen, warum. So wusste er also nicht, was er tat, wenn er sie zwickte, schubste und an die Wand drückte. In der zweiten Klasse der Grundschule begann er, Röcke hochzuheben und wurde von seinen Kumpanen dafür gefeiert. Das gefiel ihm, obwohl er immer noch nicht wusste, warum er Röcke hochhob. Als er gerade zehn geworden war, wusste er schon etwas mehr. Zum Beispiel, dass es den Gören gefiel, wenn man sie nicht an den Haaren riss, sondern sie bewunderte. Und da überfiel ihn auch bereits ein Kribbeln, wenn er zufällig Einer sehr nahe kam. Warum sie mit Puppen spielten, war ihm da aber auch noch ein Rätsel. Mit 14 war Heini nicht mehr zu bremsen, denn da wusste er alles, was die Schwatz- und Kichertüten mochten, und das Kribbeln wuchs sich zu Bauchgrimmen aus. Jetzt rissen sich die Teenager gegenseitig an den Haaren

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Tatorte, Tatworte

Warum der passionierte Miesmacher Reich-Ranicki den Deutschen Fernsehpreis nicht angenommen hat, verriet er uns im Detail nicht, sondern verdammte das Fernsehen allgemein und pauschal. Größtenteils hatte er wohl auch recht damit. Denn neben dem ganzen sonstigen Dreck, den die Privaten seit Jahren über den Äther schicken, folgten die öffentlich-rechtlichen Sender stante pede, und schließlich  kippen jetzt auch schon die Programme, bei denen man sich einigermaßen gut aufgehoben fühlte, sofern man überhaupt auf den Glotzenknopf drückte. Das heißt, dass selbst ARTE und 3SAT vereinzelt beginnen, in die Verbrechercamps überzulaufen, ins Lager der Mörder und deren scharfsinniger Jäger von den Mordkommissionen in Stadt und Land. Phoenix bildet da noch eine Ausnahme. Seien es die düsteren, aber coolen Ruhrpott-Schimanskis oder die stiernackigen Kriminaler von Hinterdingharting, aus dem Oberland oder aus der Heide, Geblödel inbegriffen. Seit der Zeit eines gewissen Francis Durbridge und seinem Halstuchmörder vor 50 Jahren ermitteln selbst Oma und Opa fiebernd mit, wer der Täter ist,

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Mut zur Lücke

Auf den Kreuzungen herrschten die Zwei-, Drei-, und Zehnkämpfer: Die Fahrer schrottreif gerumpelter Autos gingen aufeinander los und prügelten sich die Nasenbeine krumm und eckig. Wie immer zu dieser Zeit. Transpirierende HektomanInnen mit gigantischen Plastiktaschen drängten beim Ein- und Aussteigen auf den U-Bahnhöfen so heftig gegeneinander, dass am Ende ein halbes Dutzend davon japsend auf den Gleisen vor den einfahrenden Zügen die wohlverdiente Ruhe fand. Wie immer zu dieser Zeit. In den Kaufhäusern kam es zu tumultartigen Szenen, die Ansätze einer ukrainischen Parlamentssitzung zeigten, so dass sich die Sprinkleranlagen ganz von selbst einschalteten. Nach Art der Lemminge soffen sich Jugendliche von Parks und Diskos aus ohne den Umweg über Ausnüchterungszellen der Polizei in die Kliniken. Etwas heftiger als sonst auch. Die Kleinen in den Horten und Schulen hoppsten wie die Blechtrommleraffen, spuckten, kratzten, tritten, bissen, rissen sich an den Haaren, weil ihnen die Alten zuhause ein gar vortreffliches Beispiel boten, und das Wehegeschrei war

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Ein Tisch

Ein Tisch ist ein Gebrauchsgegenstand mit Beinen, die nicht zum Laufen taugen. Das Wort ist abgeleitet aus dem lateinischen diskus und wurde, wie man sehen und hören kann, mit den Zeitläuften im Deutschen morphologisch sowie phonetisch ziemlich verhunzt. Das in etwa gleichbedeutende tabula hat sich in den romanischen Sprachen als tavola und tableau und sogar im englischen table besser erhalten. Doch das tut nichts zur Sache. An einem Tisch kann man es sich gutgehen lassen oder auch nicht. Im Liegen wie im Sitzen Deutlicher wird das an der Alternative mensa. Daran lagen die Römer. Ja, sie lagen zum Zechen. Mensa scheint aber dem Wortstamm nach irgendwie verwandt zu sein mit mens, was bedeutet Geist oder Verstand. Gutes Essen hält Leib und Seele zusammen, ulkt der Volksmund. Nur nicht in der Mensa, denn die Studenten klagen: Der Mensch geht solange zur Mensa, bis er bricht. Damit hat Nachfolgendes vielleicht nur bedingt etwas zu tun. Tische werden nach ihrer

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Gubernatores

Tollkühn schipperten sie über die Weltmeere. Das heißt, das Mittelmeer, das Rote Meer, ein wenig über die Meerenge des Herakles hinaus, auch mal von Troja bis zum Schweinestall der Calypso und durch die Dardanellen, denn mehr war nicht bekannt von der Welt. Im Lateinischen hießen sie Gubernatores. Der Gubernator war der, der den Kurs der Schiffsreise bestimmte und nach diesem das Schiff steuerte, also der Steuermann. Für den Gubernator war dieser Job in früheren Zeiten nicht immer einfach, weil fixe Orientierungsdaten wie Sonne und Sterne oft nicht zu sehen waren am Firmament. Der Mond fiel sowieso aus, denn der war schon immer ein unsteter Geselle, mal dick, dann wieder dünn und bringt anfällige Gemüter nächtens durcheinander, wenn er voll ist. Nach der babylonischen Sprachverwirrung verband man mit diesem Wort mehr und mehr den Staatenlenker. In der Neuzeit wurde aus dem Gubernator der Gouverneur bzw. der Governor, und als der Gubernator Bismarck von Bord ging,

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Auf, die Brause!

Eine Nachlese auf den Wahlkrampf mit Empfehlungen Als die „Kleinen“ ganz piano einen etwas bewegteren Gang einlegten, da jubelte SPIEGEL ONLINE: „... ließen es richtig krachen!“ Wie bitte? Brüderle, Gysi und Trittin ließen es richtig krachen? Noch nie was von den Donnervögeln Wehner und Strauß gehört? Bei denen flogen die Verbalinjurien, jawoll, die Abgeordneten feixten oder ballten die Fäuste, und das Volk zuhause an den Bildschirmen wurde kribbelig. Auch der Fischer  warf später mit Arschlöchern um sich wie vorher mit Pflastersteinen. Klar, denn der war Streetfighter gewesen. Einer Rückschau über Wahlen und Wahlgebräuche sei folgende Definition vorausgeschickt: Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber. (Edmund Stoiber, Freistaat Bayern) Die alte römische Republik war ein Ämtersystem. Bewerber hatten sich hochzudienen, wurden nur für ein Jahr gewählt, mussten die Aufwendungen für ihre Kandidatur selbst bezahlen und im Fall ihrer Wahl für alle ihre Entscheidungen mit ihrem persönlichen Vermögen haften. Wahlkampf hieß zwangsläufig auch Zuwendungen an die Wähler, wobei damals

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