Keine Sause ohne Brause

In der Sonderwelt der Populären Musik Roman ca 260 Seiten von Willi Weglehner Exposé Der biedere Friedhelm Haberfeld, im Hauptberuf Bearbeiter für Strafsachen am Amtsgericht, ist ein leidenschaftlicher schwäbischer Hobbymusikant. Dann nennt er sich, gemäß seiner heimlichen Vorliebe für Mozart, Amadeus Brause, und sein Slogan ist „Keine Sause ohne Brause“. Das einzige Problem besteht darin, daß es bei seinen Auftritten - Hochzeiten, Kirmesfeiern, Trauerfeierlichkeiten, Zwangsversteigerungen - immer wieder zu Problemen kommt. Deshalb empfiehlt ihm sein Freund Knut, es im Rahmen eines verlängerten Urlaubs mal auf Mallorca zu probieren. Dort wird er prompt von dem Kölner Musikproduzenten Didi Sole entdeckt, der immer auf der Suche nach Talenten, insbesondere aber Skurrilitäten ist. Nach intensiver Forschungsarbeit kommt Didis Team endlich darauf, worin die Besonderheit Amadeus´ besteht: Er spielt das Kufsteinerlied und andere Walzer ohne Pausen, so daß rein arithmetisch statt des Dreivierteltaktes ein 2,5-Vierteltakt entsteht. „Riesenhit“, am besten einer nach dem anderen - das ist das Non plus Ultra in den Kreisen,

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Doppel mit Damen, Schelmenroman

VI. Bizarres, dem Geschäft zuliebe Doch schließlich meinte Casanova es gut mit ihnen, sogar noch aus seinem Grab heraus. Aus reiner Anerkennung, dass sie ihn so hoch ehrten, meinte Edi später. Der machte nämlich eines Tages in einem Nobelcafé mehr zufällig die Bekanntschaft einer Dame mittleren Alters. Einer Witwe, wie sie gleich betonte. Sie sah adrett aus und benahm sich zwar auffällig, wie es ihr nach Name und Stand auch gebührte, jedoch nicht lustig. Sie dürfen mich gerne „Wolke“ nennen, mein Freund. Wolke vom Wetterstein, so ist es ganz korrekt. Das klang zwar außergewöhnlich und war zudem eine Lüge, zumindest aber hatte sie nicht „Georgie“ gewählt oder die Namen von deren Nachfolgerinnen. Ganz geheuer erschien es Edi trotzdem nicht. In jener Zeit erlebte die Sehnsucht nach dem blauen Blut eine Renaissance, die alle Bevölkerungsschichten durchzog. Wahrscheinlich Relikte aus Kinderzeiten, in denen Märchen die Wünsche und Eitelkeiten von Königen, Prinzen und vor allem Prinzessinnen das Denken und Streben

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Flieg, Engerl

IX. Gewalt und Schuld

Lena schrak hoch. Es war Nacht geworden. Sie sah auf die Uhr an der Wand. Was war ihr da in ein paar Stunden alles durch den Kopf ge-gan-gen, dass sie alles um sich herum vergessen hatte? Von A bis Z alles hochgekommen, in den kleinsten Kleinigkeiten, die aber nur scheinbar Kleinigkeiten gewesen waren, in ihrer Summe dagegen ein Leben widerspiegelten, das kein Leben war, sondern ein unerbittlicher Kampf um das Leben. Egid war noch immer nicht heimgekommen. Wie so oft schon. Sie aber hatte lange in banger Erwartung gehofft. Wie so oft schon. Kein Abendbrot. O Hoffnung... Bertl, der ab und zu einen Laib Brot, Käse und sogar etwas Wurst gebracht hatte, war auch schon eine ganze Weile nicht mehr gekommen. Er hatte es angedeutet: Der Krieg frisst den Menschen auch noch das vom Teller, was sie dringend zum Leben brauchen. Sie brachte die Kinder zu Bett, die nicht fragten

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Im Uhrenspezialgeschäft

Drama in einem Aufzug, der weder nach oben noch nach unten, geschweige denn nach rechts oder links fährt Herausgegeben vom Verein zur Auferstehung des Kalauers e.V. 1. Präsident: Willi Weglehner 2. Präsident: Willi Weglehner Mitglieder: Willi Weglehner Vereidigte Sponsoren: Willi Weglehner Kassier: Herr Keiner Kassenprüfer: Herr Niemand Vereinsdiener: Willi Weglehner Beisitzer von links: Willi Weglehner Beisitzer von rechts: nicht erwünscht Bankverbindung: Real Zero Estate-Bank, Kalau/Niederlausitz, Konto-Nummer 000 000 000 Eingetragen im Dunkel der Registraturkammer der Kommune Kalau, Niederlausitz Personen: Eine Doppelrolle Requisite: Zwei Stühle für eine Doppelrolle   Grüß Gott. Grüß Gott, der Herr. Womit kann ich Ihnen dienen? Sie brauchen mir nicht dienen. Ich möchte eine Uhr. Da sind Sie bei uns ganz richtig. Wir sind ein Uhrenspezialgeschäft. Das hab ich bereits gelesen. Draußen. Ich bin nämlich kein Anal-Phabet, wenn Sie das glauben. Ein... was? Ein Anal-Phabet. Ach, Sie meinen An-Alphabet? Was soll denn das sein? Na, da heißt es „An“. Ein „An“. vielleicht so, wie man einen Brief schreibt „an“ jemanden. Ach, Sie schreiben Briefe an Alphabeten? Sie machen sich verdächtig. Und überhaupt: Sie bieten auch

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Grand Prix – aus der Sonderwelt der populären Musik

Als Amadeus gegen 22 Uhr völlig vermummt zum Rheinufer zurückgebracht wurde, schien die Kacke am Dampfen. Didi schüttelte hinter der Bühne den Leadsänger von Modern Stalking am Revers seines Glitzeranzugs. Das war das Mieseste, was ich bisher sah in meinem Leben, du Pavianarsch! Und du Saftsack da warst auch nicht besser. Na wartet, das wird Konsequenzen haben. Das habt ihr mit Absicht gemacht. Dagegen war der müde Soundcheck heute vormittag ein Märchenauftritt. Wer hat euch dafür bezahlt? Antwort? Ich werde gerichtlich gegen euch vorgehen. Wegen positiver Vertragsverletzung. Vorsätzliche Geschäftsschädigung ist das, jawoll! Darauf stehen mindestens drei Jahre! Friedhelm war irritiert. Nicht nur wegen der unguten Stimmung, die anscheinend durch einen schlechten Auftritt der Gruppe ausgelöst worden war. Er war auch irritiert wegen der drei Jahre, die der Boss ins Feld führte. Ein verpatzter Künstlerauftritt fiel doch nicht unter das Strafrecht. Was quatschte der daher? Was rede ich? Fünf Jahre! Plus anschließender Sicherungsverwahrung! Ich werde

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Internierung – Singet dem Herrn

Nun, da wir inzwischen schon etwa bei der Mitte meiner Aufzeichungen angekommen sind, will ich das, was ich vordem als "gravierende Einzelheiten" bezeichnete, näher erzählen. Ich sehe es als die niedrigsten Höhepunkte meines Lebens, nie vorher, nie nachher so unmittelbar erlebt. Dr. Dreschflegel prügelte aus Frust oder anderen niederen Beweggründen. Der TEUFEL prügelte zum Lobe Gottes. Also, Fall 1: Der Schüler Kurt Wirsing aus Hof, 2. Alt. Während einer Gesamtchorprobe klappte irgendwas nicht in dieser Stimme. Der TEUFEL: Das klingt ja, als ob man einer Katze auf den Schwanz tritt. Anonyme Stimme aus der Gegend des zweiten Altes: Miauu! Der TEUFEL: Wer war das? Dabei blitzten seine Augen, der Tonfall klang nach Angriff, es herrschte Grabesstille. Und Kurti meldete sich. Der TEUFEL: Komm vooor! Wie oft mußte ich dieses Komm vooor wie die gleißend-gelbe Luft am Horizont vor einem Hagelschlag im Laufe der Jahre noch hören, natürlich nur bei den Knabenstimmen. Nein, ich muß mich korrigieren; einmal galt es einem, der

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