Glossen

Dringlichkeiten

Montag, Januar 30th, 2012

Was ist heute nicht dringlich oder umgehend oder sofort oder, im jetzt üblichen Sprachgebrauch, urgently zu erledigen, zu bekommen, zu besorgen, wo jeder alles hat bis auf die Armen, derer täglich mehr werden?
Da haben wie nun einen Präsidenten, sich dessen zu entledigen diese Gesellschaft mehr als genügend Bedarf hätte. Dringlichst eben.
Ebenso dringlich ist daneben auch die Beendigung der unsäglich gewordenen Verlautbarungen dazu.
Grundsätzlich dringlich ist freilich auch die Entledigung von allen Umständen, die damit zusammenhängen.
Gönnen wir uns einen kurzen Rückblick auf einige Personen, die das Amt bekleideten in der Historie.
Nach Abdankung des letzten deutschen Kaisers Wilhelm des Schnurrbärtigen war der Präsident tatsächlich der oberste Mann im Staate.
Dem Voll-Irren mit dem weniger opulenten Schnurrer, einem volksdeutschen Schnurrer nämlich, gelang es, durch einen Staatsstreich das Amt des Staatspräsidenten mit dem des Kanzlers zu vereinigen. Das Amt, das einige Jahrzehnte vorher ein gewisser Bismarck mehr oder weniger gut ausgeübt hatte – zumndest mit dem Kaiser im Hintergrund, dem obersten Souverän von dafür eigens geschaffenen Gottes Gnaden.
Nach des Volksschnurrbärtigen und seines auf tausend Jahre vorgepachteten Reiches schmählichem Ende der Volksdiktatur einer diebischen und massenmordenden Oligarchenclique blieb das Amt des Präsidenten zwar bestehen, entfaltete sich de facto aber zu einer kostspieligen Scheinbühne, auf der die Puppen tanzten, von wem auch immer hineingehoben und dann geführt.
Vom Derzeitigen wollen wir nun aber wirklich nicht mehr sprechen, weil er ein Lügner und Vertuscher ist. Es nützt  auch nichts, wenn er eine Rede zur Wannseekonferenz hält, die sowieso nur einer seiner Schreiberlinge verfasst hat.
Da waren andere vor ihm, Vertreter des Neuanfangs nach der mörderischen Katastrophe, denen man ihr Demokratiebestreben noch abnehmen konnte, wenngleich unter diesen auch mindestens ein Halbseidener mit NS-Vergangenheit war. Man sah es ihm nach, weil man ihm ansah, dass er ein Hanswurst war und populärwissenschaftlich Penis Lübke, der Einfaltspinsel genannt wurde.
Andere kann man ruhigen Gewissens in die Event-Veranstalter mit höchster Rendite einreihen: Weihnachtsansprachen, Neujahrs- und sonstige überflüssige Empfänge, der Abwechslung halber dann und wann eine Reise nach Afrika, wo sie verhungernden Kindern übers Köpfchen streichen und sich in zerknirschter Fürsorge ablichten lassen.
Das Amt an sich ist so viel wert wie seine Repräsentanten, also nicht weniger überflüssig. Das gilt auch für die Residenz mit dem wunderschönen Namen Schloss Bellevue, dem es noch besser zu Gesicht stünde, dass dort arme Kinder untergebracht würden, schon der schönen Aus- und Ansicht halber. Nur ja nicht unter der Supervision der vormaligen, nun beschäftigungslos gewordenen temporären Bewohner, weil die ihnen nur Unfug, Lüge, Verschwendung sowie die Inanspruchnahme undurchsicht-ger Kredite und sonstiger Bestechungsmöglichkeiten aktiver wie passiver Art beibringen würden. Dinglichkeitsstufe eins.
Bleiben wir beim Rating. Wie sind die Parteien einzustufen? Von Triple A bis Triple Zero, sprich 000, also eine Null mehr als der Ort der Notdurft.
Das ist nicht schwer und bedarf keiner der Rating-Agenturen, die angeblich von US-amerikanischen Schurken zur Zerstörung Europas angeheuert werden.
Augenfällig nötig ist die 000-Einstufung einer Partei, die sich Freie Demokraten nennen. Keiner weiß mehr, dass diese Partei noch weit in die Zeit der scheinbar gefestigte Demokratie hinein einem Sammelsurium ehemaliger SS-Kameradschaften als Unterschlupf diente. Doch das ist jetzt mal sekundär, denn die Freien Demokraten demontierten sich innerhalb von gut zwei Jahrzehnten selbst, wenngleich sie sich noch immer als Zünglein an der Demokratie-Waage fühlen. Trotz aller niederschmetternder Umfragewerte. Schon ein starkes Stück.
Dass die Parteien, durchsetzt von Lobbyisten, eine euphemistische Wortkreation für Bestecher, grundsätzlich ein Haufen von Karrieristen, Profilneurotikern und hochdotierten Postenschacherern und –jägern sind, von Jugend an darauf getrimmt, unverständliche Wortschöpfungen zu erfinden bzw. erfinden zu lassen, diese umherzuposaunen, drauflos zu palavern, somit nichts sagen, also nichts anderes im Kopf haben als die Menschen zu belügen zum alleinigen Zweck der Erhaltung ihrer Pfründe, bedarf keiner besonderen Erwähnung mehr. Die Menschen draußen wissen es, können aber nichts tun als sich grün und blau zu ärgern darüber.

Da waren doch die Sozialdemokraten einst angetreten mit der Kampfparole „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“. Zu Recht. Was wurde daraus?  Eine Partei der sozialistischen Weltkriegskreditgeber.
Die „C“-Parteien sind das Produkt der Zeit nach dem zweiten Gemetzel, das von Deutschen angezettelt wurde, weil das erste noch nicht gereicht hatte. Ihr Markenzeichen, das „C“ stammt offenkundig aus der Zeit, als das Wort geboren wurde, also vor 2000 Jahren, müsste demnach längst gestorben sei. Doch manches ersteht neu auf, wenn auch nicht gleich nach drei Tagen.
Die große Hoffnung im Schlamassel waren die, die sich „Grüne“ nannten. Weil sie noch nicht ganz trocken hinter den Ohren waren?: Strickliesls und Fahrradamateure. Heute stricken sie anderes und fahren in gepanzerten Limousinen vor, die ihnen vom Klassenfeind zur Verfügung gestellt werden.
Das rechte Spektrum wird nicht verboten, weil man es eventuell irgendwann mal brauchen könnte.
Dessen entgegengesetzte Seite ist bekanntlich links: Da hocken die Epigonen eines Unrechtsunwesens, das eine Zeitlang den Anspruch darauf erhob, Staat zu sein.
Totenkopf und Palästinensertuch, makaber genug: Selbst für die fünfte Jahreszeit eine abgelutschte Augenbinde. Zum Kinderfasching taugt´s gerade noch. Ein Konglomerat von Narren.
Nicht zuletzt die Banken, sprich, die Finanz- und Kapitalwirtschaft, Versicherungen eingeschlossen, die bisher nichts im produktiven Sinn erarbeiteten und immer wieder nur Volksvermögen, das sie sich erwucherten, vernichteten. Abschaffungsdringlichkeitsstufe DoubleOneOne, viermal die Null.

Was tun? fragen wir, aber nicht, weil einst auch Lenin diese Frage stellte.
Vielleicht ist die Antwort wirklich ganz einfach: Statt der Lobbyisten-Parteien und ihrer Verbündeten aus dem Finanz-sektor müssen Fachleute ran, die sich permanent der Überprüfung ihrer Qualifikation zu stellen und Schaden, den sie verursachten, aus eigener Tasche zu bezahlen haben. Dann wird sich schnell die Spreu von Weizen trennen.

Das einzige, was wir wirklich dringlich, also Dringlichkeitsstufe Triple-A im Quadrat brauchen, sind öffentliche Bedürfnisanstalten. Kostenlose. Denn wenn´s da dringend wird, ist es wirklich dringlich, für reich und arm gleicher-maßen. Und was nützt dem flanierenden Milliardär ein Pack loser Tausender in der Tasche, wenn er vor dem Örtchen keine 50 Pfennig parat hat?
Vielleicht kann ihm dann ein Bettler aushelfen.

Kriegsbericht aus Franken

Sonntag, Januar 1st, 2012

Allzo, midd derer Gracherei hobbis eichendlich goor nedd. Wall iich ba der Bundeswehr scho immer Foorkaddn gschossn hobb. Hamm gfoorn senn obber di andern, woss ka Foorkaddn gschossn homm. Iich hobb underdessn mei Gwehr butzn därfn, wall dess schuld woor.
Heier homm obber manne Leid gsachd, heier werd gschossn, dassdes wassd, Vadder.
Allzo bin iich am Silfessder korzz vuur Middooch nu in Subbermargd grennd und hobb a Schachdl vull kaffd. Vuller Gracher nerdiirli. Siemerneinzgeurodreierzwang homms kosd. Ganz schee deier, obwohl lauder kinesische Schrifdzeing draff worn.
Korzz vuur Zwelfer nachds bin i naus affd Schdrass und hobb ann Gracher in derer Schachdl oozind. Hobb mer dengd, wenn aaner grachd, nacherdler grachn di andern aa und wolld dervuu.
In den Aungbligg is anner vorbeigfoorn. In den sann Audo hodds aa scho bummberd drinner wäi in Gräich. Und glei bin iich ausgrudschd und schdreggsderlängs hiigfluung, wall där woss rausgschmissn hodd. Suu a Oord Obberazionshandschouh woor dess, obber nerblouß midd ann Finger, Middlfinger woordscheins, a weng ann längern. Und aff den bin iich ausgrudschd. Dess mouß wergli a Doggder gwen sei, waller von Granggnhauswäldler herkumma is.
Edzerdler binni nemmer wechkummer und lousganger isser aa scho, der Gräich. Blidzd hodds und grachd und di Feddzn senn gfluung, dereggd neber mir. Volle Deggung! hobb i gschrier, derwall woor iich doch scho dorddn gleeng am Buudn und hobb Bloud und Wasser gschwidzd.
Dess woor obber nu nedd alles. Wall edzerdler homms von Friedhuuf driim rausgschossn. Dess senn neemli manne Nachbern. Däi woss angeblich a Rouh geem. Dou kenni obber scho a boor, woss nie a Rouh geem, neddermol in Friedhuuf drinner.
Zerschd woorns Leichdkugeln, dass besser seehng, und glei draff schwere Addillerie. Dunnerwedder, hobber mer denggd, dou kummsd nemmer lebendi raus und hobb mer gwinschd, dass suwoss amool unsre Bollidigger derleem sollerdn. Midd ledzder Graffd bin iich in mein Gaddn neigrobbd.
Obber dou isser glei weiderganga, der Gräich. „Du Dolldi, du saudummer! Dess werrd a schäins neis Joor wern midd danner Bläidheid!“ homm manne Leid gschrier.
Iich hobb mer denggd, oha, a suu is dess. Dou risgiersd dei Leem, dass schäi grachd, und nachderdler gäihds widder a suu rum. Steichds mer doch am Buggl naaf. Und bin ins Werddshaus ganger bis in der Fräih ummer halber Achdder. Dou hobber mer gschworn, dassis nemmer grachn lou aff Silfessder, nie määhr. Erschdns weecher der Foorkaddn. Und zweidns waddi läiber aff di Addilleri von Friedhuuf driimer. Dess kossd mi goor niggs. Nerblouß a volle Deggung.
Abbroboo: Hodd neili mei Fraa zu mir gsachd, du schausd heid widder wäi a Landgreisrazz. Derwaal hobb iich in den Aungbligg sugoor glachd. Na ja, dou kemmer niggs machen, ne?
Allzo, a gouds Neis alle middernander, und wenn i widder woss Neis wass, sooch is eich.

Bilanz einer Torheit

Samstag, Dezember 31st, 2011

Europa, die zweite. Aller Wahrscheinlich genauso überflüssig wie in dieser Rubrik schon einmal geschehen. Setzen wir trotzdem bei einem Punkt noch einmal an: Europa, woher kommst du? Wohin gehst du?
Well, die Briten haben die quo-vadis- Frage beantwortet. Ein Auge auf den Balkan gerichtet vielleicht? Jedenfalls mit dem Auge des Polyphem auf ihren Finanzgangsterstandort London.
Kaum  mehr Sinn macht es, auf den Mythos von Europa und dem Stier hinzuweisen. Zudem könnte es der Verunglimpfung Verstorbener nahe kommen, Konrad Adenauer mit einem Stier zu vergleichen, auch wenn es irgendwann mal nicht strafbar war, Zeus, den Göttervater, in diese Rolle schlüpfen zu lassen. Vielleicht tut´s der Struwwelpeter auch.
Historisch:
Wo begann es? Wie begann es?
In den Urwäldern auf den Findlingen der letzten Eiszeit, als im Orient bereits mehrtausendjährige Hochkulturen gekommen und gegangen waren? In der Gemeinschaft von Auerochsen und Platzirschen? Letzeres ist nicht ganz von der Hand zu weisen und noch heute zu beobachten.
Das Meiste jedoch liegt im Dunkel der Geschichte.
Bei Tacitus erfahren wir einiges an sowohl als auch über die Germanen. Bei Cäsar über die Gallier.
Das Europa der Neuzeit begann angeblich mit Karl dem Großen, den die Franzosen unter dem Pseudonym Charles Magne für sich beanspruchen. Ein ungeschlachter Geselle, des Lesens und Schreibens unkundig wie alle Barbaren des Nordens. Dafür ein Meister der Kriegskunst und Unterwerfung anderer Völker.
Geographisch:
Wo beginnt es? Wo endet es?
Am Bosporus? In Aquitanien? In Italien? In Spanien? In Gallien? In Germanien, Britannien? Am Nordkap? Am Ural? Außer willkürlich gezogenen Grenzen ist da nichts zu holen. Unterschiedlichste Völkerschaften, selbst wenn man es nur oberflächlich betrachtet.
Gut, die ersten Nationalstaaten gab es mit Frankreich und England. Spanien war viel zu lange maurisch, als dass man es ernsthaft als ureuopäisch bezeichnen könnte. Die slawischen Völkerschaften erscheinen mit der Völkerwanderung eher als zugezogen.
Vergleichen wir es, um etwas Luft zu holen, zwischendurch getrost mal mit der berühmtesten Kinderbühne der Welt, dem Kasperltheater: Da ist Kaspar, Gretl und der so gemütlich bayrische anmutende Seppl. Die Realbühne präsentierte uns als einen der Hauptdarsteller De Gaspari, nennen wir ihn also gleich Kaspar. Bleiben Adenauer und De Gaulle. Einem der beiden die weibliche Hauptrolle zuzordnen, erübrigt sich, weil wir mittlerweile auch eine Real-Frau haben, die zunehmend die Über-Haupt-Rolle spielt. Sie ist auch bekannt als die lispelnde Gänseliesl aus der Uckermark, würdige Enkelin des alten Ganoven vom Rhein. Der Birnenförmige dazwischen hatte nichts anderes zu tun als seine Zwitterrolle mit Krieg oder Frieden zu rechtfertgen, ein ausgesprochen doofer Witz, der besser die Situation nicht kennzeichnen könnte. Ein Krieg zwischen den beiden Erbfeinden etwa? Versailles, Dolchstoß und so??
Einer der hartnäckigsten Ein- und Aufpeitscher aber ist ein arroganter Hanseat und Sozialdemokrat. Er sollte endlich die Schnauze halten und seine Zigaretten an der Alster verblasen statt in Fernsehstudios, in denen sich jeder an die Gepflogenheiten hält, auch wenn er Raucher ist. Jeder anständige Mensch in diesem Alter macht sich mit dem Herrgott vertraut.
Was bleibt? Es wird eng. Probieren wir´s auf gut Glück und zum Ende etymologisch. Hat schon oft geholfen.
„Europa“ kommt aus dem Griechischen und es beginnt für unsere Betrachtung richtiggehend verheißungsvoll.
Eυ, ευ, Vorsilbe, gesprochen Ev, ev, siehe Evangelium (griech: ευαγγέλιον), die „gute Botschaft“, bedeutet „gut“.
ρωπηια (Subst.), gesprochen Roopäia, bedeutet „Gesträuch“. Nicht schlecht, falls aus dem Gesträuch nicht gerade Bitteräpfel sprießen.
Aber da haben wir es bereits schon wieder. Die Tücke des Wortes. Die Wahrheit bzw. Wirklichkeit folgt auf dem Fuße:
Wortstamm ist nämlich ρωπ- (gesprochen: roop) und findet direkten Niederschlag in ρωπος (adj.) mit der Bedeutung „kümmerlich“ und ebendieses (subst.) mit der Bedeutung „Flitterstaat, Tand“. Wobei wir „Flitterstaat“ als Bezeichnung eines politschen Staatswesens ausschalten und der zweiten Bedeutung gleichsetzen können.
Das heißt nicht, dass wir es auch beim Gegenstand unserer Betrachtung nicht mit „Tand“ tun haben. Die Einschätzung ist eine individuelle und bleibt somit dem Leser überlassen.
Gegenwartssituation:
Schuld sind die Griechen, die  Italiener, Spanier, Portugiesen, Iren. Auch der in der Psychologie nicht so Bewanderte erkennt sofort das, was soviel Unglück über die Menschheit brachte. Man nennt es das Phänomen der Projektion. Mit anderen Worten: Man zeigt mit allen ausgestreckten Extremitäten, hauptsächlich aber der Zunge, die ein Dolch aus Fleisch ist, auf andere und schreit: Haltet den Dieb!
Das wirkt.
Hauptschuldenproduzent ist nämlich unsere Bundesrepublik bzw. die vom Volk bonae fidei et voluntatis gewählten Volks-Zertreter. 500 Milliarden Neuschulden in kürzester Zeit durch Konjunkturprogramme, um nur die schwerwiegendsten  Bestechungen zu nennen, für die Industrie, zu deren Realisierung man die Papiergelddruckmaschinen rotieren lässt auf Teufel komm raus.
Das wurde bisher geflissentlich übergangen genauso wie die Tatsache, dass wir alle seit der Einführung des Euro bis heute nur noch die Hälfte in unserem Portemonnää haben, wenngleich der Fiskus von der angeblich doppelt so hohen Kaufkraft eine satte Mehrwertsteuer abschöpft.  Man zeigt halt ganz einfach – mit allen Extremitäten – auf andere, und die Tatsachen finden erst in letzter Zeit und ganz marginal Eingang in die öffentlichen Diskussionen. Es wird sich rächen. Leider erst, wenn sich sogar der Teufel mit Grausen abwendet.