Glossen

Facebook

Sonntag, April 29th, 2012

Es soll Leute geben, die das noch nicht wissen, also: Ein Facebook ist ein Gesichtsbuch. Reich bebildert mit Gesichtern. Dann braucht man nicht soviel zu lesen, denn das Lesen ist schwierig geworden. Das Schreiben vielleicht sogar noch mehr.
Das Wort kommt aus dem Englischen, ist aber längst deutsch geworden wie so viele andere Wörter, dass man oft glauben möchte, man befinde sich beim Turmbau zu Babel.
Mit dem Facebook kann man von face to face kommunizieren, vorausgesetzt, man ist des Lesens und Schreibens noch einigermaßen  mächtig. Wäre es ein englisches Wort geblieben, müsste es allerdings heißen „from eyeball to eyeball“. Das weiß aber keiner mehr, seit es deutsch wurde. Wie klänge das auch: Eyeballtoeyeballbook, lächerlich. Damit macht man keinen Staat heutzutage, kann man bei „Psychologie Heute“ nachlesen.
Eines ist sicher: Facebook hat dem Buch der Bücher längst den Rang abgelaufen, denn im letzteren gibt´s keine Gesichter zu betrachten. Da muss man lesen, viel lesen und viel verstehen.
Bilder und Buchstaben also bietet ein Facebook. Verstehen braucht man auch nicht viel, wenn man da lesen kann: Ich gehe gerade auf´s Clo.
Und weil das für Viele doch ein wenig banal ist, hat man aus dem Facebook und dessen Gebrauch flugs ein Soziales Netzwerk gemacht; Netze, das weiß jeder, werden beim Fischfang verwendet. Oder in einem Land, in dem nicht gerade Stiere durch die Straßen gehetzt werden, zum Vogelfang.
Bei uns gibt es weder dies noch jenes, weil wir ein Kulturvolk sind. Was geschieht nun im sozialen Netzwerk eines Kulturvolkes?
Werden da weit ausladend wie beim einem Netz virtuelle Essen ausgegeben an Bedürfige? Quatsch, Keiner in unserem Kulturland ist bedürftig, vor allem Kinder nicht. außer an Mitteilungsmöglichkeiten. Das ist das Neue, das Neosoziale gewissermaßen. Und so kann man sich auch auf neue Art und Weise sozialisieren: in einer Gemeinschaft gleichbesinnter Bedürftiger mit ihren sozialen Faces, eingebunden in das Netz Poseidons, dem keiner entkommen kann, hat er sich erst einmal drin verfangen. Aber sie wollen ja auch überhaupt nicht mehr heraus, weil das Netz Heimat geworden ist für sie.
Da wird dann schon mal zur Geburtstagsfete eingeladen, und Hunderte erscheinen, ungebeten zwar, aber das Facebook ist ja auch ein Einladungsbook. Dass die Ungebetenen dann zu Lustigvandalen werden, liegt an ihren fehlenden Mitteilungsmöglichkeiten, ganz klar. Da werden dafür halt die Ärmel hochgekrempelt, und los geht´s.
Facebook hat mittlerweile nicht nur Kultstatus, sondern eine Monopolstellung.
Könnte man eventuell nicht…?… es liegt mir auf der Zunge… Momentchen noch…. ja, das wäre der große Hype. Hätte aber einen Haken; Da dürften nur Frauen mitmachen, denn die Gesäße von Männern sind schlichtweg peinlich anzuschauen. Die abendländische Kultur jedoch verbietet die Diskriminierung von Männern, auch und vor allem wegen ihres unansehnlichen Gesäßes. Für den Mann selbst wäre das frelich eine interessante Information, weil er sein eigenes Gesäß im Gegensatz zum Weibe, das es versteht, sich von allen Seiten zu betrachten, noch nie da gesehen hat.. So hätte er wenigstens eine klitzekleine Vorstellung davon
Dieses zu fotografieren wäre keine Schwierigkeit. Könnte ja jemand anders machen. Hauptsache, es stünde dann im Book, ein wenig geschminkt vielleicht. Machen die Facebookianer ja auch.
Auf, lasst uns Assbook gründen! Dann können endlich Face und Ass so kommunizieren, dass es der Menschheit nützt, denn aus dem Ass kommt nicht nur bullshit, wie mancher glauben mag. Da sollte man sich ruhig mal genauer anhören, was alles so aus dem Mund, dem Face zugerechnet, kommt.
Außerdem wäre es dem Ass gegenüber sehr sozial, weil, wie der große Philosoph Pieter Sloterdijk bereits vor langer Zeit erkannnte, der Ass sein Leben lang ein trostloses Dasein in tiefer Dunkelheit fristen muss.
Und erst die Kohle, die damit zu verdienen ist! Packen wir es an. Wer mitmachen will, soll sich umgehend auf Facebook melden.

Dringlichkeiten

Montag, Januar 30th, 2012

Was ist heute nicht dringlich oder umgehend oder sofort oder, im jetzt üblichen Sprachgebrauch, urgently zu erledigen, zu bekommen, zu besorgen, wo jeder alles hat bis auf die Armen, derer täglich mehr werden?
Da haben wie nun einen Präsidenten, sich dessen zu entledigen diese Gesellschaft mehr als genügend Bedarf hätte. Dringlichst eben.
Ebenso dringlich ist daneben auch die Beendigung der unsäglich gewordenen Verlautbarungen dazu.
Grundsätzlich dringlich ist freilich auch die Entledigung von allen Umständen, die damit zusammenhängen.
Gönnen wir uns einen kurzen Rückblick auf einige Personen, die das Amt bekleideten in der Historie.
Nach Abdankung des letzten deutschen Kaisers Wilhelm des Schnurrbärtigen war der Präsident tatsächlich der oberste Mann im Staate.
Dem Voll-Irren mit dem weniger opulenten Schnurrer, einem volksdeutschen Schnurrer nämlich, gelang es, durch einen Staatsstreich das Amt des Staatspräsidenten mit dem des Kanzlers zu vereinigen. Das Amt, das einige Jahrzehnte vorher ein gewisser Bismarck mehr oder weniger gut ausgeübt hatte – zumndest mit dem Kaiser im Hintergrund, dem obersten Souverän von dafür eigens geschaffenen Gottes Gnaden.
Nach des Volksschnurrbärtigen und seines auf tausend Jahre vorgepachteten Reiches schmählichem Ende der Volksdiktatur einer diebischen und massenmordenden Oligarchenclique blieb das Amt des Präsidenten zwar bestehen, entfaltete sich de facto aber zu einer kostspieligen Scheinbühne, auf der die Puppen tanzten, von wem auch immer hineingehoben und dann geführt.
Vom Derzeitigen wollen wir nun aber wirklich nicht mehr sprechen, weil er ein Lügner und Vertuscher ist. Es nützt  auch nichts, wenn er eine Rede zur Wannseekonferenz hält, die sowieso nur einer seiner Schreiberlinge verfasst hat.
Da waren andere vor ihm, Vertreter des Neuanfangs nach der mörderischen Katastrophe, denen man ihr Demokratiebestreben noch abnehmen konnte, wenngleich unter diesen auch mindestens ein Halbseidener mit NS-Vergangenheit war. Man sah es ihm nach, weil man ihm ansah, dass er ein Hanswurst war und populärwissenschaftlich Penis Lübke, der Einfaltspinsel genannt wurde.
Andere kann man ruhigen Gewissens in die Event-Veranstalter mit höchster Rendite einreihen: Weihnachtsansprachen, Neujahrs- und sonstige überflüssige Empfänge, der Abwechslung halber dann und wann eine Reise nach Afrika, wo sie verhungernden Kindern übers Köpfchen streichen und sich in zerknirschter Fürsorge ablichten lassen.
Das Amt an sich ist so viel wert wie seine Repräsentanten, also nicht weniger überflüssig. Das gilt auch für die Residenz mit dem wunderschönen Namen Schloss Bellevue, dem es noch besser zu Gesicht stünde, dass dort arme Kinder untergebracht würden, schon der schönen Aus- und Ansicht halber. Nur ja nicht unter der Supervision der vormaligen, nun beschäftigungslos gewordenen temporären Bewohner, weil die ihnen nur Unfug, Lüge, Verschwendung sowie die Inanspruchnahme undurchsicht-ger Kredite und sonstiger Bestechungsmöglichkeiten aktiver wie passiver Art beibringen würden. Dinglichkeitsstufe eins.
Bleiben wir beim Rating. Wie sind die Parteien einzustufen? Von Triple A bis Triple Zero, sprich 000, also eine Null mehr als der Ort der Notdurft.
Das ist nicht schwer und bedarf keiner der Rating-Agenturen, die angeblich von US-amerikanischen Schurken zur Zerstörung Europas angeheuert werden.
Augenfällig nötig ist die 000-Einstufung einer Partei, die sich Freie Demokraten nennen. Keiner weiß mehr, dass diese Partei noch weit in die Zeit der scheinbar gefestigte Demokratie hinein einem Sammelsurium ehemaliger SS-Kameradschaften als Unterschlupf diente. Doch das ist jetzt mal sekundär, denn die Freien Demokraten demontierten sich innerhalb von gut zwei Jahrzehnten selbst, wenngleich sie sich noch immer als Zünglein an der Demokratie-Waage fühlen. Trotz aller niederschmetternder Umfragewerte. Schon ein starkes Stück.
Dass die Parteien, durchsetzt von Lobbyisten, eine euphemistische Wortkreation für Bestecher, grundsätzlich ein Haufen von Karrieristen, Profilneurotikern und hochdotierten Postenschacherern und –jägern sind, von Jugend an darauf getrimmt, unverständliche Wortschöpfungen zu erfinden bzw. erfinden zu lassen, diese umherzuposaunen, drauflos zu palavern, somit nichts sagen, also nichts anderes im Kopf haben als die Menschen zu belügen zum alleinigen Zweck der Erhaltung ihrer Pfründe, bedarf keiner besonderen Erwähnung mehr. Die Menschen draußen wissen es, können aber nichts tun als sich grün und blau zu ärgern darüber.

Da waren doch die Sozialdemokraten einst angetreten mit der Kampfparole „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“. Zu Recht. Was wurde daraus?  Eine Partei der sozialistischen Weltkriegskreditgeber.
Die „C“-Parteien sind das Produkt der Zeit nach dem zweiten Gemetzel, das von Deutschen angezettelt wurde, weil das erste noch nicht gereicht hatte. Ihr Markenzeichen, das „C“ stammt offenkundig aus der Zeit, als das Wort geboren wurde, also vor 2000 Jahren, müsste demnach längst gestorben sei. Doch manches ersteht neu auf, wenn auch nicht gleich nach drei Tagen.
Die große Hoffnung im Schlamassel waren die, die sich „Grüne“ nannten. Weil sie noch nicht ganz trocken hinter den Ohren waren?: Strickliesls und Fahrradamateure. Heute stricken sie anderes und fahren in gepanzerten Limousinen vor, die ihnen vom Klassenfeind zur Verfügung gestellt werden.
Das rechte Spektrum wird nicht verboten, weil man es eventuell irgendwann mal brauchen könnte.
Dessen entgegengesetzte Seite ist bekanntlich links: Da hocken die Epigonen eines Unrechtsunwesens, das eine Zeitlang den Anspruch darauf erhob, Staat zu sein.
Totenkopf und Palästinensertuch, makaber genug: Selbst für die fünfte Jahreszeit eine abgelutschte Augenbinde. Zum Kinderfasching taugt´s gerade noch. Ein Konglomerat von Narren.
Nicht zuletzt die Banken, sprich, die Finanz- und Kapitalwirtschaft, Versicherungen eingeschlossen, die bisher nichts im produktiven Sinn erarbeiteten und immer wieder nur Volksvermögen, das sie sich erwucherten, vernichteten. Abschaffungsdringlichkeitsstufe DoubleOneOne, viermal die Null.

Was tun? fragen wir, aber nicht, weil einst auch Lenin diese Frage stellte.
Vielleicht ist die Antwort wirklich ganz einfach: Statt der Lobbyisten-Parteien und ihrer Verbündeten aus dem Finanz-sektor müssen Fachleute ran, die sich permanent der Überprüfung ihrer Qualifikation zu stellen und Schaden, den sie verursachten, aus eigener Tasche zu bezahlen haben. Dann wird sich schnell die Spreu von Weizen trennen.

Das einzige, was wir wirklich dringlich, also Dringlichkeitsstufe Triple-A im Quadrat brauchen, sind öffentliche Bedürfnisanstalten. Kostenlose. Denn wenn´s da dringend wird, ist es wirklich dringlich, für reich und arm gleicher-maßen. Und was nützt dem flanierenden Milliardär ein Pack loser Tausender in der Tasche, wenn er vor dem Örtchen keine 50 Pfennig parat hat?
Vielleicht kann ihm dann ein Bettler aushelfen.

Kriegsbericht aus Franken

Sonntag, Januar 1st, 2012

Allzo, midd derer Gracherei hobbis eichendlich goor nedd. Wall iich ba der Bundeswehr scho immer Foorkaddn gschossn hobb. Hamm gfoorn senn obber di andern, woss ka Foorkaddn gschossn homm. Iich hobb underdessn mei Gwehr butzn därfn, wall dess schuld woor.
Heier homm obber manne Leid gsachd, heier werd gschossn, dassdes wassd, Vadder.
Allzo bin iich am Silfessder korzz vuur Middooch nu in Subbermargd grennd und hobb a Schachdl vull kaffd. Vuller Gracher nerdiirli. Siemerneinzgeurodreierzwang homms kosd. Ganz schee deier, obwohl lauder kinesische Schrifdzeing draff worn.
Korzz vuur Zwelfer nachds bin i naus affd Schdrass und hobb ann Gracher in derer Schachdl oozind. Hobb mer dengd, wenn aaner grachd, nacherdler grachn di andern aa und wolld dervuu.
In den Aungbligg is anner vorbeigfoorn. In den sann Audo hodds aa scho bummberd drinner wäi in Gräich. Und glei bin iich ausgrudschd und schdreggsderlängs hiigfluung, wall där woss rausgschmissn hodd. Suu a Oord Obberazionshandschouh woor dess, obber nerblouß midd ann Finger, Middlfinger woordscheins, a weng ann längern. Und aff den bin iich ausgrudschd. Dess mouß wergli a Doggder gwen sei, waller von Granggnhauswäldler herkumma is.
Edzerdler binni nemmer wechkummer und lousganger isser aa scho, der Gräich. Blidzd hodds und grachd und di Feddzn senn gfluung, dereggd neber mir. Volle Deggung! hobb i gschrier, derwall woor iich doch scho dorddn gleeng am Buudn und hobb Bloud und Wasser gschwidzd.
Dess woor obber nu nedd alles. Wall edzerdler homms von Friedhuuf driim rausgschossn. Dess senn neemli manne Nachbern. Däi woss angeblich a Rouh geem. Dou kenni obber scho a boor, woss nie a Rouh geem, neddermol in Friedhuuf drinner.
Zerschd woorns Leichdkugeln, dass besser seehng, und glei draff schwere Addillerie. Dunnerwedder, hobber mer denggd, dou kummsd nemmer lebendi raus und hobb mer gwinschd, dass suwoss amool unsre Bollidigger derleem sollerdn. Midd ledzder Graffd bin iich in mein Gaddn neigrobbd.
Obber dou isser glei weiderganga, der Gräich. „Du Dolldi, du saudummer! Dess werrd a schäins neis Joor wern midd danner Bläidheid!“ homm manne Leid gschrier.
Iich hobb mer denggd, oha, a suu is dess. Dou risgiersd dei Leem, dass schäi grachd, und nachderdler gäihds widder a suu rum. Steichds mer doch am Buggl naaf. Und bin ins Werddshaus ganger bis in der Fräih ummer halber Achdder. Dou hobber mer gschworn, dassis nemmer grachn lou aff Silfessder, nie määhr. Erschdns weecher der Foorkaddn. Und zweidns waddi läiber aff di Addilleri von Friedhuuf driimer. Dess kossd mi goor niggs. Nerblouß a volle Deggung.
Abbroboo: Hodd neili mei Fraa zu mir gsachd, du schausd heid widder wäi a Landgreisrazz. Derwaal hobb iich in den Aungbligg sugoor glachd. Na ja, dou kemmer niggs machen, ne?
Allzo, a gouds Neis alle middernander, und wenn i widder woss Neis wass, sooch is eich.